Interview zu Food-Trends

Statt Steak: Insekten bald als neuer Fleischersatz?

Mit einem Happs sind sie im Mund: Grillen. Foto: dpa

Alle großen Handelsketten haben inzwischen Vegetarier und Veganer als Kunden entdeckt. Wir sprachen mit einer Foodtrendforscherin über diese Entwicklung.

Frau Rützler, warum sehen Fleischersatzprodukte oft aus wie Fleisch und werden auch geschmacklich so gestaltet? 

Hanni Rützler: Fleischprodukte nehmen einen klaren Platz in unserem Essalltag ein. Wenn man plötzlich Wurst und Käse weglässt, dann fehlt manchen Verbrauchern die Fantasie, was man stattdessen essen soll. Wer mittags immer Fleisch angebraten hat, der weiß erst einmal nicht, was er sonst anbraten soll. Hier bieten die fleischlosen Alternativen einfache Antworten.

Haben Verbraucher eigentlich Angst vor Innovation, wenn es ums Essen geht? 

Rützler: Die Konsumenten sind unterschiedlich aufgeschlossen. Bei den Streetfoodmärkten, die gerade sehr boomen, habe ich den Eindruck, dass die Foodies, das ist die Szene, die sich sehr intensiv mit Essensqualität auseinandersetzt, sehr offen und neugierig demgegenüber ist. Sie sind aber nicht das Zielpublikum der Fleischersatzprodukte: Das ist der konservative Konsument. Und dem nähert man sich am besten, wenn man auf ein Produkt zurückgreift, das dem Original ähnlich ist, der aber das Problem auslässt.

Ist Fleischersatz eine wahre Alternative zum Fleisch? 

Rützler: Sie sind eine Übergangslösung für die Menschen, die etwas ausprobieren oder sich auf den Vegetarier in der Familie flexibel einstellen wollen. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass diese Produkte in dem Umfang wie sie jetzt den Markt erobern, auch noch in zwanzig Jahren existieren. Ich denke, es ist 2035 ganz normal, dass weniger Fleisch gegessen wird. Daher braucht es dann auch weniger Ersatzprodukte.

Was könnte nach Soja und Tofu kommen? 

Rützler: Foodtrends sind immer Antworten auf aktuelle gesellschaftliche Sehnsüchte und Herausforderungen. Es ist schon erkennbar, dass sich das Bedürfnis nach einem neuen Lebensmittel- und Qualitätsbegriff abzeichnet. Da kommt noch einiges.

Was denn zum Beispiel? 

Rützler: Insekten sind eine denkbare Alternative. Naturwissenschaftlich betrachtet ist das ein extrem hochwertiges Nahrungsmittel. Es gibt rund 2000 essbare Arten. Bisher werden nur in Europa und den USA keine Insekten im Alltag verspeist. Das war zuletzt ein Thema in der Nachkriegszeit. Als es ums Überleben ging, kursierten Rezepte von der Maikäfersuppe.

Werden wir wieder zu Insektenessern? 

Rützler: Das glaube ich nicht. Aber ich bin überrascht, wie viele junge Menschen dem Thema viel offener begegnen - ganz ohne Gruselfaktor, den ich eigentlich erwartet hätte.

Wie sieht der Supermarkt der Zukunft aus? 

Rützler: Grundsätzlich anders als die XL-Märkte von heute. Die Vorratskammer, die er heute ist, ist nicht sexy für den Konsumenten. In Zukunft wird der Supermarkt viel mehr Esslösungen und Inspiration anbieten. Auf die Kunden wird ein ganz neuer Blick geworfen.

 

Zur Person: Hanni Rützler (53) ist Ernährungswissenschaftlerin, Gesundheitspsychologin und Foodtrendforscherin. Jährlich erscheint im Zukunftsverlag der Foodreport. Rützler ist verheiratet und lebt in Wien und Primmersdorf (Niederösterreich). (ali)

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