Trotz Kürzung der Solarförderung: SMA will Sandershäuser Berg fertigstellen

Berlin. Für Sonnenstrom vom Dach gibt es künftig weniger Geld. Das Bundeskabinett beschloss am Mittwoch eine Kürzung der milliardenschweren Solarförderung um 20 bis knapp 30 Prozent. Die Neuregelung soll bereits vom 9. März an greifen.

Wir sprachen mit Pierre-Pascal Urbon, SMA-Vorstandssprecher, was dies für den Solartechnikhersteller aus Niestetal bedeutet.

Was bedeutet die geplante Solarkürzung konkret für das Unternehmen SMA?

Pierre-Pascal Urbon: Die Kürzung wird vor allem die mittelgroßen und großen Anlagen betreffen. Das sind Anlagen, die in der Industrie und auf Freiflächen zum Einsatz kommen. Mit den Kürzungen werden sie nicht mehr wirtschaftlich sein. Das wird zu einem Rückgang der Produktionszahlen für den deutschen Markt führen.

Gibt es bereits Zahlen?

Lesen Sie auch

Zu kurzfristig! Solarfirmen ärgern sich über Kürzung der Solarförderung

Urbon: Genaue Zahlen können wir zum jetzigen Zeitpunkt nicht nennen. In Deutschland erwirtschaften wir die Hälfte unseres Umsatzes, die installierte Leistung soll um die Hälfte gekappt werden. Es ist derzeit nicht absehbar, ob die Märkte in Asien und Amerika den Rückgang vollständig kompensieren können.

Sie investieren viel in der Region. Werden Sie Abstriche machen oder Projekte sogar auf Eis legen?

Urbon: Alle Investitionen kommen nun unter den neuen Bedingungen auf den Prüfstand. Das Bürogebäude und das Servicecenter am Sandershäuser Berg in Niestetal, wo künftig bis zu 900 Beschäftigte des Service arbeiten werden, wird auf jeden Fall fertiggestellt.

Wie werden sich die Kürzungen auf die Region auswirken?

Urbon: In der Region ist viel Technologie und Entwicklung angesiedelt, davon wird der Standort Kassel profitieren. Dies wird auch künftig so sein. Auch SMA wird weiterhin in Entwicklung und den Standort investieren. Im vergangenen Jahr war es eine halbe Milliarde, wenn auch unter anderen Vorausetzungen. Es ist nicht mehr so berechenbar. Schwieriger wird es generell in Deutschland für die Fachhandwerker, die Anlagen installieren. Sie können nicht ausweichen. Dort könnte es zum Abbau von Stellen kommen.

Ist damit die politisch gewollte Energiewende 2020 noch zu schaffen?

Urbon: Es wird deutlich länger dauern als gedacht. Abschreiben muss man die Ziele keineswegs.

Die Umlage der Kosten auf jeden Stromkunden ist nicht gerade gerecht. Lässt sich Förderung auch intelligenter gestalten?

Urbon: Eine zubauabhängige Förderung ist richtig. Die im letzten Jahr beschlossenen Einschnitte von insgesamt fast 30 Prozent hätten ausgereicht; es wäre automatisch weniger installiert worden und die Kosten wären nahezu konstant geblieben.

Warum agiert eine innovative Branche nicht stolzer beim Thema Förderung und verweist auf die guten Produkte?

Urbon: Das tun wir. Wir haben uns in Deutschland einen Technologievorsprung erarbeitet, der wird mit den Kürzungen nun abgebremst.

Lässt sich nach dem Kabinettsbeschluss noch etwas ändern?

Am 5. März will die Branche in Berlin demonstrieren. Urbon: Letztlich ist auch die Energiewende wählbar. Ob sich etwas ändert, werden wir sehen. Ersteinmal ist es wichtig, dass die Branche geschlossen auftritt.

Von Martina Wewetzer

Zur Person Pierre-Pascal Urbon (41) studierte Betriebswirtschaft und war bis 2005 bei der Beratungsgesellschaft Drueker & Co tätig, zuletzt als Vize-Präsident. Urbon ist seit 2005 bei SMA und wurde 2006 zum Vorstand bestellt. Seit 2009 verantwortet er den Bereich Finanzen. 2011 wurde er Vorstandssprecher. Der verheiratete Vater zweier Kinder entspannt sich beim Golf.

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.