"Homosexualität ist nicht normal" 

Umstrittene Äußerung: CDU-Fraktionsvize Irmer zur Kehrtwende gedrängt

Umstrittene Äußerung zu Homosexualität unter Druck zurückgenommen: CDU-Fraktionsvize Hans-Jürgen Irmer. Foto: dpa

Wiesbaden. Unter dem Druck der schwarz-grünen Koalition hat der hessische CDU- Abgeordnete Hans-Jürgen Irmer umstrittene Äußerungen zur Homosexualität zurückgezogen. Seine Formulierungen seien missverständlich gewesen, erklärte Irmer am Montag.

Jeder Mensch habe das Recht auf freie Entfaltung seiner sexuellen Orientierung. Homosexualität gehöre für ihn „selbstverständlich zur Normalität“ in Deutschland, so die von der Hessen-Union veröffentlichte Stellungnahme des Abgeordneten.

Irmer, Vizechef und bildungspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion im Landtag, hatte vor zwei Wochen der Frankfurter Neuen Presse gesagt: „Homosexualität ist nicht normal. Wäre sie es, hätte der Herrgott das mit der Fortpflanzung anderes geregelt.“ Nun bedauerte er die Äußerung, entschuldigte sich aber nicht ausdrücklich.

CDU-Fraktionschef Michael Boddenberg akzeptierte die Erklärung Irmers und bezeichnete sie als absolut notwendig. Die Verärgerung beim grünen Koalitionspartner und auch innerhalb der Union seien verständlich, so Boddenberg. Jetzt müsse Irmer seine Glaubwürdigkeit unter Beweis stellen. „In einer Koalition mit den Grünen haben Ausgrenzung oder Diskriminierungen aufgrund der sexuellen Identität oder anderer Merkmale keinen Platz“, sagte Grünen-Fraktionschef Mathias Wagner. Aus der Hessen-SPD wurde weiter ein Rücktritt Irmers als schulpolitischer Sprecher gefordert. Die Linkspartei nannte das Verhalten von Schwarz-Grün „ein Schmierentheater“.

Der 62-jährige Oberstudienrat aus Wetzlar, der seit Jahren im Landtag als Rechtsaußen der Fraktion gilt, hat jüngst auch mit Äußerungen zu Flüchtlingen für Ärger in der Koalition gesorgt. SPD und Linke fordern seit langem den Rückzug Irmers aus der Fraktionsspitze.

Für Wirbel sorgt der CDU-Mann immer wieder: In einem von Irmer verbreiteten Anzeigenblatt wurden in Wetzlar auch schon Muslime mit Islamisten gleichgesetzt, wurde von „Zigeunerprobleme“ und „Drogen-Asylanten“ geschrieben, Irmer dankte dort 2010 der Schweiz für eine Volksabstimmung gegen Minarette, hätte den früheren EU-Kommissar Günter Verheugen (SPD) am liebsten wegen Hochverrats verklagt, weil dieser den EU-Beitritt der Türkei forcieren wollte. (dpa/wet)

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