Vier Personen aus der Region im Fokus

Nach Syrien-Aufenthalt: IS-Kämpfer aus Kassel festgenommen

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Kassel. Drei Männer aus Kassel und eine Frau aus Baunatal sollen in Syrien für den Islamischen Staat (IS) gekämpft haben. Einer von ihnen ist in Frankfurt festgenommen worden.

Dem Mann aus Kassel, einem 18-jährigen Deutschen offenbar mit Migrationshintergrund, wird vorgeworfen, eine staatsgefährdende Straftat vorbereitet zu haben. Wo sich die beiden anderen Männer, ebenfalls 18 und 22, sowie die 19-jährige Frau befinden, ist nicht klar. Laut Staatsanwaltschaft gab es keine Hinweise darauf, dass der festgenommene Mann in Deutschland eine Straftat begehen wollte. Er ist wegen Fluchtgefahr in Untersuchungshaft und hat sich nicht zum Vorwurf geäußert.

Ihm wird vorgeworfen, eine staatsgefährdende Gewalttat gegen das Leben, also Totschlag oder Mord, vorbereitet zu haben, weil er sich in Syrien womöglich an Schusswaffen und dem Umgang mit Sprengstoff ausbilden ließ. Man gehe davon aus, dass er in Syrien auch gekämpft habe, sagte Oberstaatsanwältin Doris Möller-Scheu. Laut Möller-Scheu soll der festgenommene Mann auch in Kassel geboren worden sein. Nach HNA-Informationen lebte er im Stadtteil Vorderer Westen oder Mitte. Auch die in Baunatal lebende 19-Jährige wurde in Kassel geboren. Die anderen beiden Männer stammen ursprünglich aus Südhessen, lebten aber in Kassel.

Gemeinsam fuhren sie mit einem Auto Ende Oktober 2014 über die Türkei nach Syrien, um dort nach Angaben der Staatsanwaltschaft am bewaffneten Kampf teilzunehmen. Nach Informationen unserer Zeitung hat der 18-Jährige auch Abschiedsbriefe hinterlassen, in denen er ankündigt, als Mudschahed in den Krieg zu ziehen. Man sehe sich im Paradies wieder, soll es in dem Brief heißen. Als der 18-Jährige Ende Februar von Syrien in die Türkei reisen wollte, wurde er dort festgenommen und nach Deutschland abgeschoben. 

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Hintergrund: Islamischer Staat und Ableger

Seit ihrem Vormarsch im Irak und in Syrien buhlt die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) mit Al-Kaida um die Vorherrschaft im globalen Islamismus. In Syrien und im Irak hat der IS ein Gebiet von der Größe Italiens erobert und ein Kalifat ausgerufen. Vielen Extremisten imponiert dieser militärische Erfolg - vor allem in Nordafrika. Diverse Gruppen haben sich der IS-Bewegung angeschlossen.

Libyen: Ende Oktober leistete die im ostlibyschen Derna kämpfende Miliz "Schura-Rat der Jugend des Islams" dem IS einen Treueschwur. Mittlerweile hält die Zelle auch Stellungen in Sirte und verübt regelmäßig Anschläge auf strategisch wichtige Ölfelder. Mitte Februar zeigte der libysche IS die Enthauptung von 21 entführten Ägyptern; nun soll er mehrere Europäer verschleppt haben.

Ägypten: Seit Mitte November bezeichnet sich in Ägypten die Terrorgruppe Ansar Beit al-Makdis ("Unterstützer Jerusalems") als "Provinz Sinai" des IS. Laut ägyptischem Innenministerium gehören der Zelle rund 2000 Kämpfer an. Die Islamistentruppe entstand 2011 nach dem Sturz des Präsidenten Husni Mubarak. Sie verübt vor allem auf der Sinai-Halbinsel und in Kairo Anschläge auf das ägyptische Militär.

Algerien: Bereits Mitte September 2014 schworen algerische Fraktionen der in Nordwestafrika aktiven Al-Kaida im Islamischen Maghreb (AQMI) dem IS die Treue. Der neue IS-Ableger nennt sich jetzt Dschund al-Chilafa ("Soldaten des Kalifats"). Aufsehen erregte er mit der Enthauptung eines entführten französischen Touristen im September 2014.

Nigeria: Der Chef von Boko Haram, Abubakar Shekau, schwörte im März 2015 dem "Kalifen" Abu Bakr al-Bagdadi die Treue. Boko Haram hatte schon vorher von einem eigenen Kalifat in Afrika gesprochen. Die Organisation beherrscht Gebiete im Nordosten Nigerias, die zusammen die Größe Belgiens ausmachen sollen, und schlägt auch in Kamerun und im Tschad zu. Sie wird seit 2009 für den Tod von mehr als 13 000 Menschen verantwortlich gemacht.

Asien: Treueschwüre auf den IS gibt es auch von Islamisten in anderen Ländern, darunter Afghanistan und Pakistan.

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