Strafe sei zu hoch

Sechs Jahre Haft für IS-Messerstecherin Safia S. - Revision angekündigt

Verschleierte Frauen gehen am 26.01.2017 in Celle (Niedersachsen) vor dem Eingang zum Oberlandesgericht (OLG).
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Verschleierte Frauen gehen am 26.01.2017 in Celle (Niedersachsen) vor dem Eingang zum Oberlandesgericht (OLG).

Celle - Safia S. attackierte vor einem Jahr einen Polizisten mit einem Messer. Die Sympathisantin des Islamischen Staats wurde nun wegen versuchten Mordes verurteilt.

Die 16-jährige Safia S. ist als erste IS-Sympathisantin wegen einer Terrorattacke in Deutschland zu Haft verurteilt worden. Das Oberlandesgericht Celle verhängte eine Strafe von sechs Jahren, wie eine Gerichtssprecherin des Oberlandesgerichts Celle am Donnerstag sagte. Die Schülerin hatte vor knapp einem Jahr in Hannover einen Polizisten mit einem Messer schwer verletzt. Der 34-jährige niedergestochene Beamte überlebte.

Erste vom IS in Auftrag gegebene Tat in Deutschland

Die Tat diente aus Sicht des Gerichts der Unterstützung der Terrormiliz Islamischer Staat. Ermittler werten den Angriff als die erste vom IS in Deutschland in Auftrag gegebene Tat. Safia hat die Attacke eingeräumt und sich in einem Brief aus der Untersuchungshaft sowie im Prozess bei dem Polizisten entschuldigt.

Die Bundesanwaltschaft hatte sechs Jahre Haft wegen versuchten Mordes, gefährlicher Körperverletzung sowie Unterstützung einer ausländischen terroristischen Vereinigung für die Deutsch-Marokkanerin gefordert. Die Verteidigung hatte eine milde Strafe gefordert und für eine Verurteilung der Schülerin ausschließlich wegen gefährlicher Körperverletzung plädiert, ohne ein konkretes Strafmaß zu nennen.

Safia S. wollte nach Syrien

Nach den Ermittlungen war die radikalisierte Gymnasiastin im Januar 2016 nach Istanbul geflogen, um von dort aus mit Hilfe von IS-Leuten nach Syrien zu gelangen. An der Weiterreise aber hinderte sie ihre Mutter, die sie zurückholte. Über einen Internet-Nachrichtendienst soll Safia Kontakt zum IS gehalten und dann im Hauptbahnhof Hannover die Messerattacke auf den Polizisten verübt haben.

Im Video: Deshalb ist Safia S. angeklagt

Der als Mitwisser mitangeklagte 20-jährigen Deutsch-Syrer Mohamad Hasan K. wurde zu zweieinhalb Jahren Haft wegen der Nichtanzeige einer geplanten Straftat verurteilt. Die Anklage hatte auf drei Jahre Gefängnis plädiert, die Verteidigung forderte Freispruch. Gegen ihn ermittelt die Bundesanwaltschaft weiterhin, weil er mit den angeblichen Terrorplänen zu tun haben könnte, die zur Absage des Fußball-Länderspiels in Hannover im November 2015 führten.

Der Prozess am Oberlandesgericht Celle fand wegen des jugendlichen Alters der Angeklagten unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

Verteidiger will in Revision gehen

Der Verteidiger von Safia S. hat den Gang in die Revision angekündigt. Die Strafe sei zu hoch, sagte Anwalt Mutlu Günal unmittelbar nach der Urteilsverkündung am Donnerstag am Oberlandesgericht Celle. „Das eigentliche Versagen liegt bei der Polizei in Hannover.“ Wenn alle aufgepasst hätten, hätte die Tat verhindert werden können. Den Messerangriff auf einen Polizisten wertete er alleine als schwere Körperverletzung. Er sah weder eine Tötungsabsicht noch die Unterstützung der Terrormiliz Islamischer Staat für erwiesen an.

„Radikale Attentäter haben sich, glaube ich, noch nie bei ihren Opfern entschuldigt“, argumentierte Günal mit Blick auf die Entschuldigung, die Safia S. dem Beamten schriftlich und dann auch im Gerichtssaal angeboten hatte. 15-jährige Teenager könnten noch keine gefestigten Einstellungen haben.

dpa/snacktv

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