Isabella-Liebhaber sind enttäuscht

Zauber der 50er Jahre ist verloren: Der neue Borgward BX7

IAA: Der neue Borgward BX7 hat nichts vom Zauber der Limousinen aus den 50er-Jahren

Carl Friedrich Borgward, 13. Kind eines Kohlenhändlers aus Hamburg-Altona, war ein erfindungsreicher Autobauer. Doch als Manager hatte der Bremer Unternehmer keine glückliche Hand. Letztlich scheiterte er. Doch die Modelle Isabella, Goliath und Lloyd aus den 50er- Jahren zählen noch heute zur Crème de la Crème des Deutschen Automobilbaus.

C. F. Borgward, Jahrgang 1890, konstruierte mit dem „Hansa 1500“ die erste deutsche Limousine mit der aus Amerika übernommenen Pontonform. Sein „Leukoplastbomber“ war für viele der erste, erschwingliche fahrbare Untersatz - und schließlich die „Isabella“, gepriesen als das schönste Modell der deutschen Mittelklasse. Seine große Zeit als Konstrukteur begann, als er 1948, mittlerweile 58 Jahre alt, aus der Internierungshaft heimkehrte und mit dem Wiederaufbau des Unternehmens begann.

Die Isabella kam 1954 dauf den Markt. Bereits im ersten Jahr wurden 25 000 Wagen verkauft. Der Preis lag bei 7265 Mark, der 1,5 Liter-Motor erreichte mit 65 PS in der Spitze 135 km/h. Spätere Modelle brachten es auf 150 km/h.

Nun ist der neue Borgward zurück, doch Isabellas Liebhaber dürften enttäuscht sein. Der legendäre Borgward-Klassiker spielt in einer anderen Liga. Der BX7, ein Geländewagen, kommt sportlich und mit breiten Schultern daher. Er hat kaum Ähnlichkeit mit den verchromten Zierleisten und den runden, weit aufgerissenen Scheinwerfern der klassischen Limousine. Nur der Kühlergrill mit dem Borgward-Logo, der Rhombus, und der schwungvolle Übergang am Heck zeigt noch eine entfernte Verwandtschaft mit den Modellen der 50er und 60er Jahre. „Wir wollten kein Retroprodukt machen“, sagte Borgward-Chef Ulrich Walker auf der Frankfurter IAA. Im Frühjahr hatte Christian Borgward, Enkel des Firmengründers, angekündigt, die Traditionsmarke wiederzubeleben. 1961 war Borgward in Insolvenz gegangen. Hauptaktionär der neuen Borgward ist der chinesische Nutzfahrzeughersteller Foton. Die Fabrik steht in Peking. 2016 läuft dort die Produktion an. Man wird aber nicht müde zu betonen, dass in dem SUV BX7 „deutsche Ingenieurskunst“ steckt. Walker räumt aber ein, dass die Fertigungstiefe, also der selbst produzierte Anteil, geringer sei als bei anderen Herstellern. Ende 2016 sollen in Stuttgart bis zu 120 Mitarbeiter in der Borgward-Zentrale arbeiten.

Die alten Borgward-Werke waren in Bremen. Unter den deutschen Autoherstellern rangierte C. F. Borgward nur an fünfter Stelle, aber kein anderer Autoproduzent jagte so schnell wie er von Neuigkeit zu Neuigkeit. Das Isabella Sport-Coupé galt nicht nur als schönste Konstruktion, sondern hatte 1959 statt der Winker die von Bosch entwickelten Blinker.

Borgward war Direktor, Chefkonstrukteur und Stylist in einem. 1960 produzierte er in sechs Werken, 16 verschiedene Pkw- und 21 Lkw-Typen. Doch das Finanzmanagement war nicht das seine. Ein Ford-Manager beschrieb es so: „Bei Borgward machen zweieinhalb Mann, was bei uns einer macht.“ Borgward war 70, als ihm sein Lebenswerk entglitt. Drei Jahre später starb er.

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