HNA-Meinung

Islam-Gipfel in Istanbul: Symbol der Ohnmacht

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Jörg S. Carl über den Gipfel der islamischen Staaten

US-Präsident Trump hat Jerusalem als Hauptstadt Israels anerkannt. Islamische Staaten kontern und erklären Ost-Jerusalem zur Hauptstadt Palästinas. Ein Kommentar von Jörg S. Carl.

Der Gipfelbeschluss von Istanbul sollte die Einigkeit und Handlungsfähigkeit der islamischen Staaten demonstrieren. Das war die Absicht des türkischen Staatschefs Erdogan, der sich nur zu gern als wirkungsmächtiger Führer einer muslimischen Allianz präsentieren würde.

Doch diese Stärke, diese Einheit gibt es nicht. Nicht mal die Hälfte der Staatschefs der Organisation für Islamische Zusammenarbeit hat sich in der Türkei versammelt. Iran und Saudi-Arabien sind verfeindet; Katar und mehrere Golfnationen sind zerstritten; das ägyptische Militärregime und die saudische Monarchie sind strategische Verbündete der USA. Hinter der Istanbuler Erklärung steht also keine geeinte islamische Macht, die den Palästinensern in ihrem existenziellen Ringen mit Israel nachhaltig helfen würde. Der Beschluss hat so vor allem Symbolcharakter.

Er birgt dennoch eine gewisse Gefahr gewaltsamer Entladung, weil er im Gestus eines globalen Appells den Blick auf die Realität verstellt und so das Gefühl palästinensischer Ohnmacht verstärkt. Die Wahrheit ist: Einen Staat Palästina, der einer Hauptstadt Ost-Jerusalem bedarf, gibt es nicht und wird es auf absehbare Zeit nicht geben. Die jetzige israelische Regierung hat kein Interesse daran. Durch ihre Siedlungspolitik hat sie längst Fakten geschaffen: Es ist schlicht kaum noch Raum für einen lebensfähigen palästinensischen Staat vorhanden.

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