Frist bis Ende 2018

Islam-Unterricht: Ditib soll Unabhängigkeit belegen

Alexander Lorz (Kultusminister des Landes Hessen, CDU), will den Verband Ditib in die Pflicht nehmen.

Wiesbaden. Der hessische Landesverband der Moscheegemeinschaft Ditib muss seine Unabhängigkeit vom türkischen Staat unter Beweis stellen, um auch künftig Kooperationspartner beim islamischen Religionsunterricht in Hessen sein zu können.

Kultusminister Alexander Lorz (CDU) stellte dem Verband am Dienstag in Wiesbaden eine Frist bis zum 31. Dezember 2018, um unter anderem ein Mitgliederregister sowie „hinreichend professionelle Verwaltungsstrukturen“ aufzubauen. Zudem soll es zusätzliche unangekündigte Unterrichtsbesuche geben.

Damit zog Lorz die Konsequenzen aus drei Gutachten über Ditib, die das Kultusministerium im Februar in Auftrag gegeben hatte. Geprüft wurde, ob Ditib Hessen, besonders vor dem Hintergrund der politischen Entwicklungen in der Türkei, weiterhin hinreichend unabhängig vom türkischen Staat ist.

Die drei beauftragten Wissenschaftler kommen in ihren Expertisen, die gestern veröffentlicht wurden, zu zwei zentralen Ergebnissen: Einerseits gebe es bislang „keine nachweisbare Einflussnahme seitens Ditib auf den von staatlichen Lehrkräften erteilten Unterricht oder auf die Lehrkräfte selbst“. Andererseits gebe es „begründete Zweifel“ an der Unabhängigkeit von Ditib Hessen vom Ditib-Bundesverband in Köln, von der türkischen Religionsbehörde Diyanet und somit von der türkischen Regierung. „Der Umstand, dass die ,direkten Befehlsketten aus Ankara über Köln nach Hessen‘ bisher nicht (oder jedenfalls nicht nachweisbar) genutzt worden sind, bietet keine Gewähr dafür, dass das so bleibt“, heißt es dazu in einem der Gutachten.

Der Unterricht ist Lorz zufolge von den Ergebnissen der Gutachten zunächst nicht betroffen. Er werde Bestand haben, solange Ditib Hessen die verfassungsrechtlichen Voraussetzungen für die Partnerschaft vollständig erfülle.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Hessen sieht sich durch die Expertisen in ihrer Sorge vor einer möglichen Einflussnahme des türkischen Staats auf den islamischen Religionsunterricht bestätigt. Es sei nun an Ditib, verloren gegangenes Vertrauen wieder herzustellen, sagte GEW-Vorsitzende Birgit Koch. Sollte das nicht gelingen, könne der Moscheeverband nicht länger Kooperationspartner für den islamischen Religionsunterricht sein. Weder Ditib Hessen noch der Ditib-Bundesverband waren gestern für eine Stellungnahme zu erreichen.

Die genauen Ergebnisse der Gutachten lesen Sie hier.

Hintergrund: Islam-Unterricht in Hessen

Islamischen Religionsunterricht in Hessen gibt es seit dem Schuljahr 2013/2014. Er wird in Kooperation mit Ditib sowie der Ahmadiyya-Muslim-Gemeinschaft angeboten. Im laufenden Schuljahr besuchen laut Kultusministerium insgesamt 3300 Schüler an 56 Grundschulen und zwölf weiterführenden Schulen den bekenntnisorientierten islamischen Religionsunterricht.

Kommentar: Ultimatum ist ein finaler Warnschuss

Islam-Unterricht unter staatlicher Schulaufsicht ist nicht nur richtig und wichtig, er ist alternativlos, will man die religiöse Unterweisung nicht den Hinterhofmoscheen überlassen. Lesen Sie hier einen Kommentar von Nachrichten-Redakteurin Nicole Schippers.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.