Islamischer Religionsunterricht: Muslime legen Streit bei

Hannover. Bei der Einführung des islamischen Religionsunterrichts in Niedersachsen hat es einen Durchbruch gegeben: Der Landesverband der Muslime in Niedersachsen (Schura) und die Türkisch-islamische Union (Ditib) haben sich auf einen gemeinsamen Ansprechpartner geeinigt.

Damit ist nach einem langem Hin und Her der Weg frei für einen islamischen Religionsunterricht an Niedersachsens Schulen. Den gab es bisher nur in Form eines Modellversuchs mit 42 Grundschulen. 2000 Kinder nehmen bisher am Islamunterricht in Niedersachsen teil, 250 sind es im Süden.

Das Problem war lange Zeit, dass der Religionsunterricht im Land bekenntnisgebunden ist. Daher müssen die Religionsgemeinschaften legitimierte Ansprechpartner stellen.

Doch die beiden großen Muslim-Verbände in Niedersachsen, Ditib und Schura, konnten sich nicht einigen. Mehrfach hieß es aus dem Kultusministerium, man habe eine Lösung, doch dann verweigerte ein Verband die Unterschrift.

Hintergrund des Konflikts sollen dabei nicht religiöse Motive gewesen sein. In einer Pressemitteilung Ende Juni hatte die Ditib ihren Rückzug damit begründet, dass man ein Mindestmaß an Fachkompetenz von den Lehrern erwarte. „So wie das Kultusministerium keine Abstriche bezüglich der pädagogischen Fachkompetenz machen soll, so will und kann auch die Ditib keine Abstriche bezüglich des theologischen Inhalts machen“, hieß es.

Schweigen zur Einigung

Im Klartext: Es ging um Einflussnahme auf die Ausbildung der Lehrer. Doch so etwas wäre für das Land nicht hinnehmbar gewesen. Diese Konflikte sind nun beigelegt: „Sowohl Ditib Niedersachsen/Bremen als auch Schura Niedersachsen haben, wie bereits im Januar 2011 angekündigt, die Beiratsordnung unterschrieben“, sagt Roman Haase, Sprecher des Kultusministeriums. Nach der Sommerpause könnten die Umsetzungsarbeiten zur Errichtung des regulären Unterrichtsfaches beginnen.

Wie es zu der Einigung gekommen ist, darüber schweigen die Verbände: Man wolle das nicht öffentlich kommentieren, heißt es bei der Schura. Bei Ditib war am Dienstag niemand zu erreichen.

Durch die Einigung kann nun das Modellprojekt in ein normales Fach umgewandelt werden. Niedersachsen hatte sich das Ziel gesetzt, dies an Grundschulen bis 2012 zu erreichen. Experten gehen davon aus, dass bis zur kompletten Einführung aber noch zehn Jahre vergehen.

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