Mubarak-Nachfolger steht fest

Islamist Mursi ist neuer Präsident Ägyptens

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Neuer Präsident Ägyptens ist der von der konservativen Muslimbruderschaft nominierte Mohammed Mursi. Das gab die Wahlkommission am Sonntag in Kairo bekannt.

Kairo - Ein Islamist wird neuer Präsident Ägyptens: Der Kandidat der Muslimbruderschaft, Mohammed Mursi, hat sich in der Stichwahl mit denkbar knappem Ergebnis durchgesetzt.

Die Wahlkommission in Kairo erklärte am Sonntag, Mursi habe 51,7 Prozent der Stimmen erhalten. Sein Rivale, der frühere Ministerpräsident Ahmed Schafik, kam demzufolge auf 48,3 Prozent. Unter den Anhängern Mursis, die sich auf dem Tahrir-Platz in Kairo versammelt hatten, brandete Jubel auf, als das Ergebnis im Fernsehen verkündet wurde.

Vor der Bekanntgabe des neuen Präsidenten hatten die Behörden die Sicherheitsvorkehrungen in Kairo verschärft. Innenminister Mohammed Ibrahim ordnete an, dass die Polizei mit Entschlossenheit gegen jede Rechtsverletzung vorzugehen habe, wie aus Sicherheitskreisen verlautete. Vor Regierungsgebäuden wurde die Polizeipräsenz verstärkt. Auf dem Tahrir-Platz kamen Tausende Menschen zusammen, um auf das Wahlergebnis zu warten, das schließlich gegen 16.30 Uhr - und damit eineinhalb Stunden später als angekündigt - bekannt gegeben wurde .

Laut einem Bericht der unabhängigen Nachrichtenwebsite “Al Jum Al Sabaa“ vom Samstag wurde die Präsenz von Sicherheitskräften in der Nähe des Hauptquartiers der Wahlkommission am Wochenende verstärkt. Die Behörden hätten Truppen und Sprengstoffexperten entsandt, hieß es. Zuvor hatte der Militärrat Islamisten vorgeworfen, Spannungen angefacht zu haben.

Beide Kandidaten erklärten sich schon zum Sieger

Nach der Stichwahl am vergangenen Wochenende hatten beide Kandidaten den Sieg für sich beansprucht. Weil ein Richtergremium zahlreiche Beschwerden wegen Wahlbetrugs prüfen musste, war die zuvor für Donnerstag geplante Veröffentlichung des Wahlergebnisses verschoben worden.

Am sechsten Tag in Folge versammelten sich am Samstag auf dem Tahrir-Platz Tausende Anhänger Mursis. Sie reklamierten den Wahlsieg für ihn und riefen den regierenden Militärrat dazu auf, jüngste Entscheidungen wie die Auflösung des Parlaments wieder rückgängig zu machen. Im nördlich gelegenen Nasr City kamen derweil Tausende Sympathisanten Schafiks und der Generäle zusammen. Sie schwenkten Fahnen sowie Transparente mit dem Konterfei Schafiks und skandierten Parolen, die sich gegen den Führer der Muslimbruderschaft richteten. Gerüchte über auf beiden Seiten laufende Vorbereitungen von Gewaltakten verstärkten die angespannte Atmosphäre.

Viele Ägypter haben sich hinter Mursi gestellt, weil sie in ihm den Mann sehen, der das Land endgültig vom alten System des gestürzten Machthabers Husni Mubarak befreien könne. Die Anhänger Schafiks jedoch betrachten seine mögliche Wahl als bestes Mittel, um den Islamisten entgegenzutreten und die Ordnung im Land nach einem Jahr mit Protesten, Wirtschaftskrise und Angst vor steigender Kriminalität wieder herzustellen.

dapd

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