Gaza-Regierung schwört Rache

Israel zerbombt Hamas-Zentrale

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Nach dem Angriff auf Gaza-Stadt

Gaza/Tel Aviv - Israel verstärkt seinen Luftkrieg im Gazastreifen im Vertrauen auf den engen Verbündeten USA. Am frühen Samstagmorgen zerbombten israelische Kampfjets die Hamas-Regierungszentrale in Gaza-Stadt.

„Die USA haben uns volle Rückendeckung dafür gegeben, alle nötigen Maßnahmen zu ergreifen, um unsere Staatsbürger vor dem Terror der Hamas zu schützen“, erklärte Israels Botschafter in Washington, Michael Oren, in amerikanischen Medien.

Am frühen Samstagmorgen zerbombten israelische Kampfjets die Hamas-Regierungszentrale in Gaza-Stadt. Gleichzeitig ging die Stationierung von Panzern im Grenzgebiet zu Gaza weiter. Zum Schutze Tel Avivs wurde dort ein Raketenabwehrsystem installiert. Den dritten Tag in Folge wurde Luftalarm ausgelöst.

Tunesiens Außenminister Rafik Abdel Salam stattete Gaza einen Solidaritätsbesuch ab und forderte einen sofortigen Stopp der israelischen Angriffe. „Was sich hier im Gazastreifen abspielt, ist nicht hinnehmbar, ungerechtfertigt und eine Verletzung des internationalen Rechts“, sagte er. Bereits am Freitag hatte Ägyptens Ministerpräsident Hischam Kandil mit einem Kurzbesuch Unterstützung für die Palästinenser demonstriert.

Israel bombardiert seit Mittwoch pausenlos Ziele im Gazastreifen, vor allem Einrichtungen der radikalislamischen Hamas. Allein in den frühen Morgenstunden wurden nach palästinensischen Angaben mindestens zehn Menschen getötet. Ob es sich um Zivilisten oder Mitglieder militanter Gruppen handelte, blieb offen. Damit stieg die Zahl der palästinensischen Todesopfer seit Beginn der israelischen Offensive „Säule der Verteidigung“ auf 39, etwa 330 Menschen sollen verletzt worden sein. In Israel wurden bislang drei Menschen durch eine Rakete aus dem Gazastreifen getötet und mehr als 20 verletzt.

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Die herrschende Hamas schwor „Rache für Tod und Schrecken, die die Besatzer über unsere Menschen bringen“. „Israel wird einen hohen Preis für seine Verbrechen zu zahlen haben“, hieß es in einer am Samstag verbreiteten Mitteilung des Hamas-Sprechers Sami Abu Suhri.

Die Korrespondentin des US-Senders CNN im Gazastreifen berichtete am Morgen von heftigen Explosionen. Ihren Schilderungen zufolge setzen die israelischen Streitkräfte auch Drohnen ein - offenbar um Angriffsziele ausspähen. Auch die palästinensische Nachrichtenagentur Maan berichtete, dass über Gaza-Stadt Fluggeräusche von Drohnen zu hören gewesen seien.

Die neue Raketenabwehr bei Tel Aviv gehört nach Armeeangaben zum Typ „Iron Dome“ (Eisenkuppel) und schützt vor Kurzstreckenraketen mit einer Reichweite bis 70 Kilometer. Das System habe eigentlich erst im Januar aufgebaut werden sollen. Angesichts mehrerer palästinensischer Raketenangriffe sei der Termin aber vorgezogen worden. Vier Systeme sind bereits um den Gazastreifen herum stationiert.

Nachdem eine Rakete aus Gaza am Freitag erstmals auch bei Jerusalem eingeschlagen war, wird eine israelische Bodenoffensive immer wahrscheinlicher. Israel will bis zu 75 000 Reservisten zu den Waffen rufen und hat nach eigenen Angaben bereits mehr als 800 Ziele im Gazastreifen angegriffen. Militante Palästinenser feuerten zeitgleich etwa 600 Raketen und Granaten Richtung Israel.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle rief alle Seiten zu „Besonnenheit und Mäßigung“ auf. In einem Telefonat mit dem Generalsekretär der Arabischen Liga, Nabil El-Arabi, nannte der FDP-Politiker die Eskalation der Gewalt in Nahost äußerst besorgniserregend und eine zusätzliche Gefahr für die Stabilität der gesamten Region. Das teilte das Auswärtige Amt in Berlin mit.

Der frühere israelische Botschafter in Deutschland, Avi Primor, sieht die Hauptverantwortung für die Gewalt nicht bei der Hamas. Verantwortlich seien die „extremistischen fundamentalistischen Gruppierungen“, die sich einen Machtkampf im Gazastreifen lieferten, sagte der Präsident der israelischen Gesellschaft für Außenpolitik am Samstag im Deutschlandradio Kultur. Die Hamas und Ägypten hätten kein Interesse an einem Krieg. Auch Israels Bevölkerung habe Angst vor Raketenbeschuss.

Die frühere israelische Außenministerin Tsipi Livni, die der oppositionellen Partei Kadima angehört, warnte vor einer Spirale der Vergeltung. Man müsse bei solchen Einsätzen klare Ziele haben und wissen, wie man wieder herauskommt, sagte Livni dem Magazin „Focus“. „Wenn die Ziele nicht präzise definiert sind, gibt es einen Hang zur Zerstörung, der das Beenden der Aktion schwierig macht.“

dpa

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