Ein trotziger Optimist

Israels Generalkonsul über den Versuch, ein normales Leben zu führen

Seit August 2013 Generalkonsul Israels für Süddeutschland: Dan Shaham während des Redaktionsgesprächs im Kasseler Pressehaus. Foto: Malmus

Gewalt und Terror im Nahen Osten nehmen zu. Dennoch versuche man in Israel, ein normales Leben zu führen, sagt Dan Shaham, seit zweieinhalb Jahren Generalkonsul seines Landes für Süddeutschland. Wir sprachen mit ihm in Kassel.

Der Mann

Dan Shaham ist zwar Diplomat, aber Etikette ist ihm nicht allzu wichtig. Im Angesicht von vier Krawatte-losen Journalisten befreit deshalb auch Israels Generalkonsul seinen Hals. Mit dem Effekt, dass die gekreuzten Flaggen am Anzug-Revers noch mehr ins Auge fallen: Heute trägt er die Variante Israel und Hessen. Doch Dan Shaham hat noch andere, schließlich ist er als Generalkonsul mit Sitz in München zuständig für Bayern, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Saarland und eben Hessen, wo er an diesem Tag mit Kassel den nördlichsten Punkt seines Arbeitsgebietes besucht.

1965 in Aschdod (südlich von Tel Aviv) als Sohn marokkanischer Einwanderer geboren, studiert er zunächst Psychologie und tritt 1991 in den Diplomatischen Dienst seines Landes ein. Mitte der 90er-Jahre ist er erstmals in Deutschland tätig, damals noch in Bonn, außerdem wird er unter anderem nach Houston, London und Südafrika entsandt.

Die Familie

„Wir sind ein kleines Land, eine kleine Gesellschaft“, betont Dan Shaham, „Politik ist allgegenwärtig“. Seine über 80-jährige Mutter musste beim letzten Konflikt um Gaza immer wieder im Bunker Schutz suchen vor Raketen, die aus dem rund 30 Kilometer entfernten Gazastreifen abgefeuert wurden. Shahams Sohn Itan dient derzeit in der Armee, Tochter Orin studiert Kommunikationswissenschaft. Sie kannte eines der Opfer des jüngsten Terroranschlags auf eine Bar in Tel Aviv. Dennoch: „Wir Israelis versuchen, weiterhin ein normales Leben zu führen.“

Der Blick nach Nahost

Obwohl alle Welt zu resignieren scheint angesichts der schier endlosen Gewalt im Nahen Osten, will sich der Generalkonsul nicht entmutigen lassen. „Ich bleibe Optimist“, sagt Shaham fast trotzig. Und verweist darauf, dass man noch vor über 40 Jahren Krieg mit mehreren Nachbarstaaten führen musste, inzwischen aber mit Ägypten und Jordanien Frieden habe schließen können. Auch Konflikte mit der PLO von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas hält er allen Unkenrufen zum Trotz für lösbar.

Und die unversöhnliche Haltung der Hamas im Gazastreifen und der Regierung Netanjahu in Jerusalem? Zum Frieden braucht es immer zwei Partner, sagt der Generalkonsul. Israel mache sicherlich auch Fehler, aber der Hamas fehle die grundsätzliche Bereitschaft, das Existenzrecht Israels anzuerkennen. Das sei der gravierende Unterschied, den vor allem die Kritiker Israels im Westen gerne übersähen.

Der Blick auf Deutschland

Für das Land seiner Gastgeber findet der Generalkonsul lobende Worte. Als 2014 bei Demonstrationen anlässlich des Gaza-Krieges antisemitische Parolen in Deutschland laut wurden, sei von Gesellschaft und Politik klar gemacht worden, dass hier eine rote Linie überschritten worden sei. „Das war eine sehr erfreuliche Reaktion.“

Und bewundernswert findet es Dan Shaham, wie Deutschland versucht, die Herausforderungen durch die Flüchtlingsströme zu bewältigen, wie engagiert und kontrovers diskutiert wird. Er erinnert daran, dass auch Israel ein Land ist, das eine große Zahl von Migranten aus fremden Kulturen integrieren musste. Rund eine Million Juden aus der damaligen Sowjetunion seien in den Sechs-Millionen-Staat Israel gekommen, dazu Zehntausende Juden aus Äthiopien und anderen Ländern. Das seien zusätzliche Belastungen für ein Land gewesen, in dem unter anderem bereits orthodoxe Juden und Araber zusammenlebten. All das habe Israel stark verändert, sagt der Generalkonsul.

Ob das eine Ermunterung für die Deutschen sein soll? Shaham, ganz Diplomat: „Jede Gesellschaft muss ihre eigenen Erfahrungen machen.“

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