Wildtiere während der Winterruhe schreckhaft – Höhere Abschussquote ist die Folge

Jäger rufen zur Rücksicht auf

Scheue Rehe: Werden sie im Winter aufgescheucht, knabbern sie an Knospen. Foto: dpa

Kassel. Spaziergänger und Wintersportler sollten bei ihren Ausflügen unbedingt auf den ausgewiesenen Loipen und Wanderwegen bleiben – darauf weist der Landesjagdverband Hessen hin.

„Nur wenige Waldbesucher und Sportler realisieren, dass sie mit dem Verlassenen der offiziellen Strecken zu einer höheren Abschussquote von Wild beitragen“, sagt Klaus Röther, Pressesprecher des Landesjagdverbandes.

In die jährliche Abschussquote, die als Zielvorgabe für Jäger von den Jagdbehörden festgelegt wird, fließt neben der Höhe des Abschusses aus den vergangnen Jahren auch das Ausmaß an Schäden an Rinden und Knospen ein. Der Organismus von Rehen, Hirschen und anderen Wildtieren schaltet während der kalten Monate auf Sparflamme, die Tiere bewegen sich im Winter so wenig wie nötig, um Energie zu sparen. „Je mehr sie aber gestört werden, umso hungriger werden sie“, erklärt Röther. Rothirsche würden im Winter dann bevorzugt an den Rinden von jungen Bäumen knabbern. Die Folge: Ein Pilz kann eindringen und das Holz so schwer schädigen, dass es beim späteren Verkauf als minderwertig eingeschätzt wird. „Rehe beißen Knospen ab, vor allem von den nahrhaften Eichen“, so Röther weiter.

Er betont: „Wir wollen keinen aus dem Wald aussperren.“ Der Landesjagdverband appelliere lediglich dazu, die offiziellen Wege nicht zu verlassen und Hunde im Wald nicht frei laufen zu lassen. Wildtiere gewöhnten sich an die viel genutzten Wege und ließen sich entlang dieser Strecken dementsprechend nicht mehr aus der Deckung locken.

Besonders empfindlich sind laut einer Mitteilung des Landesjagdverbandes die vom Aussterben bedrohten Birkhühner in der Rhön.

Scheue Hühner

Die scheuen Hühner, die nicht gejagt werden dürfen, fliehen schon ab einer Distanz von 300 Metern vor Menschen. Bei der Flucht verbrauche das Birkwild so viel Energie, dass die seltenen Vögel an Entkräftung sterben könnten.

Die Jäger seien daher bestrebt, die Jagd im Winter frühzeitig zu beenden, um das Wild nicht unnötig zu beunruhigen. So ende die Jagd auf Hirsche Ende Dezember.

Von Sonja Broy

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