Umstrittene Veranstaltung im Harz mit Umweltminister Sander kurzfristig abgeblasen

Jagd fällt nach Morddrohungen gegen Umweltminister Sander aus

Der Aufkleber zeigt das Konterfei von Niedersachsens Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP), an dem symbolisch Blut herablief. „…na dann viel Spaß beim der Jagd, Herr Sander!“ steht darunter.

Bad Harzburg. Nach Morddrohungen ist die umstrittene Jagd mit Politikern im Nationalpark Harz abgeblasen worden. Die notwendige Wildtierregulierung soll nun in aller Stille ohne Minister und Abgeordnete stattfinden.

Revierförster Rolf Maßmann traute am Samstagmorgen seinen Augen nicht. In der Nähe seines Büros am Großraumparkplatz Wolfstein bei Bad Harzburg prangten mehrere Aufkleber. Sie zeigten das Konterfei von Niedersachsens Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP), an dem symbolisch Blut herablief. „…na dann viel Spaß beim der Jagd, Herr Sander!“ stand darunter.

Nationalparkchef Andreas Pusch war alarmiert. Nach den politischen Protesten von SPD und Grünen gegen die „Staatsjagd“ und das „Abschieds-Halali“ für den scheidenden Umweltminister schien nun eine neue, weitaus gefährlichere Qualität erreicht zu sein.

Kurz vor Beginn stoppten die Verantwortlichen die Politiker-Pirsch auf Rehe, Hirsche und Wildschweine: „Nach den Vorkommnissen vom Wochenende und in Rücksprache mit dem Ministerium in Hannover ist aus Sicherheitsgründen die Jagd komplett abgesagt worden“, erklärte Park-Sprecher Friedhart Knolle gestern. Polizei und Staatsanwaltschaft sind eingeschaltet.

Die Leitung des Nationalparks hatte auf Betreiben des Umweltministers rund 20 Personen - vor allem Abgeordnete des Niedersächsischen Landtags - zu einer „Bewegungsjagd auf Schalenwild“ geladen. Sander, der selbst nicht jagt und nach eigenen Angaben keinem Tier etwas zuleide tun kann, wollte als Ehrengast abends zum „gemütlichen Beisammensein“ dazustoßen.

Bei den Fachleuten in seinem Ministerium und bei der Parkverwaltung stieß die Politiker-Pirsch freilich auf große Bedenken; Sander wischte sie dem Vernehmen nach aber beiseite. Zwar sind Maßnahmen zur Wildregulierung laut Nationalparkgesetz zum Schutz junger Bäume ausdrücklich erlaubt und finden auch regelmäßig statt. Aber eben nur unter strengen ökologischen Auflagen und nur mit erfahrenen Mitarbeitern der Parkverwaltung. „Parlamentarische Hobbyjäger haben dort nichts zu suchen“, kritisierte Grünen-Fraktionschef Stefan Wenzel.

Auch Sanders Magdeburger Ressortkollege Hermann Onko Aeikens (CDU) protestierte bei der gemeinsamen Kabinettssitzung beider Länder vergangene Woche gegen die Jagd im Nationalpark. Per Erlass untersagte er zudem den Mitarbeitern der sachsen-anhaltinischen Parkverwaltung eine Teilnahme.

Von Peter Mlodoch

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