Ein Jahr Bouffier: Längst nicht mehr im Schatten Kochs

+
Will nicht wie sein Vorgänger polarisieren, sondern zusammenführen und die Probleme erklären: Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU).

Wiesbaden. Es war heute vor einem Jahr, als Volker Bouffier im Landtag mit den Tränen kämpfte. Er hatte alle 66 Stimmen von CDU und FDP bekommen bei der Wahl zum Nachfolger von Roland Koch.

Es dürfte trotz der Tränen auch ein Augenblick des Triumphes gewesen sein. Für Koch hatten 2009 nach einem bescheidenen Landtagswahlergebnis nur 62 Abgeordnete gestimmt.

Heute, nach einem Jahr als Ministerpräsident, ist Volker Bouffier in Hessen längst aus dem Schatten Kochs getreten. Nicht, dass der gebürtige und in seiner Heimat tief verwurzelte Gießener andere politische Inhalte verträte. Aber er hat vom ersten Tag an jedem Versuch der Imitation widerstanden. Nicht spalten, sondern zusammenführen, nicht polarisieren und zuspitzen, sondern die Probleme erklären. Ob Schuldenbremse, Energiegipfel oder Kommunalfinanzen: Bouffier ist der Landesvater, der die Nöte der Menschen versteht und verspricht, sich dieser anzunehmen.

Angesichts der strikten Sparpolitik, die sich die Landesregierung zum Ziel gesetzt hat, ist es freilich schwierig für den 59-Jährigen, neue Akzente zu setzen. Geld für Bildung, Polizei, für Straßenbau und den Flughafen Kassel-Calden - alles Felder, die die Union seit so vielen Jahren beackert, dass der Wähler sich an Erfolgsmeldungen entweder gewöhnt hat oder ohnehin anderer Meinung ist.

Thema geangelt

Mit dem geschickten Schachzug, einen auf Länderebene einmaligen Energiegipfel ins Leben zu rufen, als die Bundesregierung zum Entsetzen der Hessen-CDU die Atomkraftwerke preisgab, hat Bouffier sich zumindest ein Thema geangelt. Die Opposition bis hin zur Linkspartei in die Staatskanzlei zu laden, macht es SPD, Grünen und Linken zumindest schwerer, den Ministerpräsidenten des Nichtstuns in der Energiefrage zu bezichtigen.

Wer da nicht mitmacht, droht als besserwisserischer Totalverweigerer den Kürzeren zu ziehen, das weiß der erfahrene Politiker aus jahrzehntelanger Erfahrung. „Die Menschen wollen keinen Streit“ lautet sein Credo.

Dass sie auch Lösungen der Probleme erwarten, mahnt selbst sein Umfeld an. Denn irgendwann ist Wahltag und Bouffier hat schon verkündet, dass er auch mit 63 noch mal antreten will.

Bundespolitisch unscheinbar

Bundespolitisch reiht sich der Mann, der auch im CDU-Vorstand den Posten Kochs als Merkels Vize bekommen hat, in die Reihe der eher unscheinbaren Ministerpräsidenten ein. Kochs Neigung, die überregionale Presse ständig zu füttern, scheint ihm fremd, der Kanzlerin die Leviten zu lesen, ebenso.

Bemerkenwert war Bouffiers erste Auslandsreise. Sie führte ihn nach Israel, eine Reise mit hohem Symbolwert. Volker Bouffier ist es ein ernstes Anliegen, die Verbindungen Hessens mit Israel und mit Palästina zu vertiefen. Und das, sagt ein eher kritischer Begleiter, „hat er gut gemacht“.

Von Petra Wettlaufer-Pohl

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.