Vor 25 Jahren musste Fischer gehen

Umringt von Journalisten: Umweltminister Joschka Fischer am 9. Februar 1987. Foto: dpa

Wiesbaden. Eine Jubelmeldung aus Anlass einer gescheiterten Koalition? Die Grünen von heute sehen dazu allen Grund: „Bohren harter Bretter hat sich gelohnt - Hessen atomfrei“, so lautet der Titel ihrer Presseerklärung zum 25. Jahrestag des Scheiterns der ersten rot-grünen Koalition in der Bundesrepublik.

Heute vor einem Vierteljahrhundert hat ein gesundheitlich wie politisch angeschlagener Holger Börner (SPD) dem Turnschuhminister Joschka Fischer (Grüne) die Entlassungsurkunde überreicht. Folge eines hitzigen Streits um die Hanauer Atomfabriken Nukem und Alkem, den die SPD vermeintlich für sich entschied. Ihr Wirtschaftsminister Ulrich Steger hatte Wochen zuvor eine Genehmigung der Brennelementefabrik Alkem vorbereitet und einen Entwurf an den damaligen Bundesumweltminister Walter Wallmann (CDU) geschickt. Ein Unding für die Grünen, zumal wenige Monate nach der Katastrophe von Tschernobyl.

Fischers Überlegung, mannhaft seinen Rücktritt zu erklären, weil die SPD den Industriestandort Hessen mit Atomfabriken retten wollte, ging nicht auf. „Der Dicke“, wie er Börner in seinem politischen Tagebuch keineswegs bösartig oder gar respektlos nennt, kam ihm zuvor. Er nehme das Rücktrittsangebot an, schrieb er dem verdutzten Fischer, nachdem dieser bei einer Landesmitgliederversammlung in Langgöns mit dem Koalitionsende gedroht hatte.

CDU gewinnt 1987

Doch nicht nur Fischer ging, auch Holger Börner stand für Neuwahlen nicht mehr zur Verfügung. Die gewann der Mann, der 1986 Deutschlands erster Bundesumweltminister geworden war: Walter Wallmann (CDU). Allerdings blieb seine Regierung vorerst Episode - 1991 erneuerte Hans Eichel (SPD) das rot-grüne Bündnis, noch einmal für kurze Zeit mit Joschka Fischer. Letzterer brachte es später in seiner bundespolitischen Karriere bis zum Außenminister der Republik.

Doch auch die rot-grüne Neuauflage, die 1995 vom Wähler bestätigt wurde, ist seit 1999 Geschichte; wie auch die Hanauer Atomfabriken und inzwischen sogar auch das den Grünen so verhasste Atomkraftwerk Biblis.

Die Atompolitik trennt Rote und Grüne längst nicht mehr, die SPD habe die Grünen-Positionen übernommen, so Grünen-Chef Tarek Al-Wazir. Dazu zählt das Eintreten für ein schnelles Umsteuern auf erneuerbare Energien. Und sie eint das Ziel, die Regierung 2014 gemeinsam erneut zu übernehmen. Zumindest in den Umfragen stehen die Chancen dafür nicht schlecht.

Von Petra Wettlaufer-Pohl

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