Wie auf dem Jahrmarkt - ein Kommentar zum Fall Wulff

Berlin/Kassel. Ein Privatkredit und die Unterstützung reicher Freunde für das eigene Buch - die Vorwürfe gegen Bundespräsident Christian Wulff reißen nicht ab. Das Amt ist beschädigt, meint HNA-Chefredakteur Horst Seidenfaden.

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Das Schwierige an der Debatte um den Bundespräsidenten ist die Tatsache, dass es für diesen Sachverhalt bisher keine gültige Messlatte gibt. Juristisch ist Christian Wulff nichts vorzuwerfen - selbst bei der moralischen Bewertung tut man sich schwer: Wie will man jemandem vorhalten, in seinem Leben vor der Wahl zum Staatsoberhaupt reiche Freunde gehabt zu haben, die ihn privat unterstützten?

Horst Seidenfaden

Diese Debatte wirkt bis dato überzogen, weil sie unrealistisch und verlogen geführt wurde. Wie viele Politikerbücher (und auch die von Journalisten) sind in den vergangenen Jahrzehnten zum Erfolg geworden, weil Konzerne und Bankenorganisationen ganze Auflagen aufkauften? Wie häufig werden Politiker (und auch Journalisten) bei Krediten besondere Konditionen bekommen haben, bewusst wegen ihrer Funktion und nicht wegen Verhandlungsgeschicks? Also Schluss mit einer moralintriefenden Debatte und zurück zur Sachdiskussion. Wulff hat sich, als es im niedersächsischen Landtag um seinen Kredit ging, dumm verhalten. Und auch die Aufarbeitung der Dinge ist nicht gerade ein Paradestück souveräner und sensibler Amtsführung. Aber wenn das, was bisher bekannt ist, alles Wesentliche gewesen ist, dann darf man sich nicht wundern, wenn öffentliche Ämter - und besonders das des Staatsoberhauptes - zunehmend behandelt werden wie Dosen-Pyramiden auf einem Jahrmarktstand.

Von Horst Seidenfaden

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