Anteil radikaler Frauen wächst

Beratungsstelle gegen Salafismus verzeichnet über 50 Fälle im ersten Jahr

Fundamentalismus vorbeugen: Die Präventionsstelle gegen Salafismus hat eine positive Bilanz ihrer Arbeit gezogen. Foto:  dpa

Hannover. Junge Leute gleiten in islamistische Kreise ab, planen eine Ausreise zur Terrormiliz Islamischer Staat: Darum kümmert sich die Präventionsstelle gegen Salafismus in Niedersachsen, die ein Jahr nach ihrem Start jetzt eine positive Bilanz gezogen hat.

Das Angebot werde nicht nur von Angehörigen, sondern auch von Schulen gut angenommen, sagte die Vorsitzende der Beratungsstelle, Emine Oguz, in Hannover.

Bewährt habe sich, dass die auf Initiative des Sozialministeriums gegründete Beratungsstelle nicht bei den Sicherheitsbehörden angesiedelt sei. Damit sei die Hemmschwelle für Angehörige und das Umfeld gefährdeter Menschen niedriger, sagte Oguz. An erster Stelle stehe die Prävention, bei Bedarf werde ein Draht zur Polizei gelegt.

Weit über 50 Beratungsanfragen seien seit dem Start begleitet worden, sagte der Leiter der Beratungsstelle, Christian Hantel. Bei 48 Prozent der Anfragen ging es um junge Menschen aus muslimischen Herkunftsfamilien, im Übrigen um Konvertiten aus nicht-muslimischen Familien.

72 Prozent der Betroffenen waren Männer, 28 Prozent Frauen. Bei dem weiblichen Anteil sei ein Anstieg zu beobachten, was auch dem vom Bundeskriminalamt festgestellten Trend entspreche. In 62 Prozent der Beratungsfälle ging es um junge Leute zwischen 18 und 24 Jahren, 38 Prozent betrafen Jugendliche unter 18.

Schwerpunkt im Süden

Hilferufe wegen einer drohenden Radikalisierung erreichten die Beratungsstelle querbeet aus ganz Niedersachsen. Einen Schwerpunkt gebe es mit den Städten Hannover, Hildesheim, Braunschweig, Wolfsburg und Salzgitter, so Hantel. „Aber auch im Emsland gibt es gut zu tun und im Osnabrücker Bereich.“ Oft reiche die Aktivität eines radikalen Predigers wie vor einiger Zeit in Wolfsburg für einen Anstieg der Zahl radikalisierungsgefährdeter Leute aus.

Die mit einem Sozialpädagogen, einer Sozialarbeiterin und einer islamischen Theologin ausgestattete Beratungsstelle bearbeitet Einzelfälle, berät aber auch Schulen, Jugendhilfe- und Flüchtlingseinrichtungen sowie Justizvollzugsanstalten.

Am Start der Einzelfallbetreuung stehe meist ein telefonisches Vorgespräch. Häufig schließen sich ein oder mehrere persönliche Gespräche mit einem der Berater an. Dies entlaste die Eltern und zeige ihnen Handlungsoptionen auf. „Je früher Eltern sich melden, desto besser.“

Im Blick hätten die Berater die Sicherheitsrelevanz: Wenn eine Straftat oder eine Ausreise nach Syrien vorbereitet werde, könne die Beratungsstelle im Einvernehmen mit den Eltern einen Kontakt zur Polizei herstellen. Eltern, die aus Sorge bereits den Ausweis ihres Kindes versteckt hätten, seien darüber froh. (dpa)

www.beraten-niedersachsen.de

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