Kommentar

Jerusalem: Donald Trump zeigt Härte - und wird zur Konfliktpartei

Donald Trump lehnt sich in der Nahost-Frage weit aus dem Fenster: Er erkennt Jerusalem als Hauptstadt Israels an. Damit überschreitet er für viele Araber eine rote Linie. Ein Kommentar von HNA-Nachrichtenchef Tibor Pézsa.

Zu den Eigentümlichkeiten des Nahost-Konflikts gehört, dass er vor allem von ausländischen Mächten angeheizt oder besänftigt wird - je nach Interessenlage in Teheran und Beirut, in Riad und Ankara, in Amman und Kairo, aber auch in Paris, London, Brüssel, Moskau und Washington. Nichts von dem, was Palästinenser und Israelis aushandeln, hätte Bestand, wenn es nicht von starken Mächten außerhalb mitgetragen und garantiert würde.

Auch das verhinderte bis jetzt jeden Friedensschluss. Noch stets erschien beiden Seiten ein Kompromissfrieden weniger hinnehmbar als die Fortsetzung des Konflikts. Der lässt sich längst als Geschichte verpasster Chancen vor allem auf palästinensischer Seite beschreiben. Die Chancen auf eine Zweistaaten-Lösung sanken derweil gegen Null. Der Horror fortgesetzter Mordanschläge auf Israelis kann ohnehin schlimmer nicht werden.

In dieser Lage gefährdet Donald Trump mit seiner Holzhammer-Diplomatie zwar nur einen Friedensprozess, der längst tot ist. Aber er provoziert damit auch die arabischen Staaten, die somit wieder hervorragend von ihrem eigenen Versagen, ihren Bruder- und Bürgerkriegen, von Despotie und Misswirtschaft ablenken können.

Für die Bewohner des Westjordanlands und im Gazastreifen bedeutet Donald Trumps Schritt eine äußerst schmerzhafte Begegnung mit der Realität: Die besten möglichen Kompromisse in diesem Konflikt sind jene, die sie für immer verpasst haben. Die USA haben ihre Rolle des ehrlichen Maklers aufgegeben, sie sind jetzt Konfliktpartei. Zumindest für die Israelis ist das eine befriedigende Nachricht, glaubt doch eine Mehrheit von ihnen schon lange nicht mehr an einen Friedensvertrag, sondern an ein möglichst effektives Konfliktmanagement. Mit einem Donald Trump als Partner heißt das nicht viel Gutes.

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