Kalisuche in Westthüringen: Australische Bergbaufirma wird in DDR-Akten fündig

Kalisuche in Westthüringen: Australische Bergbaufirma wird in DDR-Akten fündig

Dingelstädt. Über Monate ließ die australische Bergbaufirma Potash West alte DDR-Akten auswerten. Jetzt heißt es in einer 15-Seiten-Meldung an die australische Börse ASX: „Bedeutendes Untersuchungsziel identifiziert."

Im Thüringer Feld Küllstedt, einer 200-Quadratkilometer-Zone zehn Kilometer nordöstlich von Eschwege, besitzen die Australier fünf Jahre lang exklusive Suchrechte. Die Akten versprechen Kalisalzlager in Tiefen zwischen 500 und 900 Metern.

Hier, nahe bei Dingelstädt, wurden die beiden letzten Kalischächte Hüpstedt und Beberstedt erst 2009 mit EU-Mitteln verfüllt: Schotter und Beton in die 800 Meter tiefen Löcher, dann zum Schluss ein Deckel drauf. Das soll auch Erdsenkungen an der Oberfläche vorbeugen. Die Schächte, in Teilen schon eingestürzt, waren bereits seit den 1920ern außer Betrieb – also lange bevor mit der Wende das Gros des DDR-Kalibergbaus zwischen Harz und Werra stillgelegt wurde (einzelne Gruben in der Grafik markiert).

Noch bis Ende der 70er-Jahre hatte die DDR im Feld Küllstedt insgesamt etwa 30 Bohrungen niedergebracht. Auch deren Ergebnisse auf Papier flossen in die Prognose der Australier ein – die Bohrkerne selbst sind verschwunden.

Georg Hochwimmer, Geschäftsführer des Münchner Büros General Research, koordiniert die Kalisuche im Auftrag der Australier. Die ersten Erkenntnisse sprächen dafür, dass sich die Ausbeutung durchaus lohne, sagte er auf Anfrage. Jetzt müssten im nächsten Schritt weitere Bohrungen die Akten bestätigen.

Neue Kaligruben in Westthüringen vor dem Start, während an der Werra die Politik mühsam Umweltlasten der alten Gruben in den Griff zu bekommen versucht? Potash-West-Chef Patrick McManus sprach zwar von einer Superchance, den Fuß auf Europas Kalimarkt zu setzen. Im Vergleich zum großen Weltmarktkonkurrenten K+S in Kassel ist Potash West aber nur ein Mini-Unternehmen. In der Branche werden voruntersuchte Abbaufelder von kleinen Spezialfirmen gern auch an größere, kapitalkräftige Abbauunternehmen verkauft.

Ganz schnell geht in diesem Gewerbe sowieso nichts: Auch Erkundungsbohrungen brauchen die Erlaubnis des Thüringer Bergamts. Eine neue Grube aufzumachen, kostet fünf bis sieben Jahre Vorlauf, heißt es in der Branche.

Näheres zu möglichen neuen Erkundungsbohrungen will Potash West schon in den nächsten Wochen bekanntgeben. Die Australier, hinter deren Firma mehrheitlich Geldgeber aus Asien stehen, reisen laut Hochwimmer im April nach Deutschland. Dann dürften auch Bedenken aus umliegenden Städten und Gemeinden zur Sprache kommen, die mit Verweis auf Natur- und Trinkwasserschutz auf Thüringer Seite im Grenzland zu Hessen keine neuen Kaligruben mit Abraumgebirgen oder Abwasserfluten wollen.

Hier gibt es die Börsenmeldung(englisch).

Rubriklistenbild: © dpa

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