Freilassung war offenbar politisch gesteuert

Willkür à la Ankara: Journalist Deniz Yücel kommt frei

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Solidaritätsaktion für Deniz Yücel (Archivbild): Nach gut einem Jahr kommt der Journalist frei. Doch die Umstände werfen viele Fragezeichen auf.

Der deutsch-türkische Journalist Deniz Yücel wird aus der Haft in der Türkei entlassen. Yücel saß seit mehr als einem Jahr im Gefängnis. Ein Kommentar von Tibor Pézsa, Nachrichtenchef unserer Zeitung.

Ist ein Geiselnehmer ein besserer Geiselnehmer, wenn er auch mal Geiseln freilässt statt welche zu nehmen? Natürlich nicht. Das ist der Grund, warum die Freilassung Deniz Yücels nicht bedeuten kann, dass nun etwa Deutschland oder die EU der Erdogan-Türkei auch nur einen Deut weiter entgegenkommen sollten als gerade eben nötig.

Die Freilassung Yücels erfolgt offensichtlich genauso von oben gesteuert, wie es schon dessen Verschwinden für ein Jahr ohne Anklage hinter Gittern war. Unabhängige Justiz? Ja, wo denn? Wie peinlich: Da bietet ein Ministerpräsident eine entlassene Geisel wie eine Morgengabe dar und möchte für diesen Menschenhandel auch noch belohnt werden.

Aber noch immer sitzen politische Gefangene, darunter auch Deutsche, in türkischen Gefängnissen. Noch immer gibt es erhebliche Zweifel an der Rechtsstaatlichkeit des Landes. Von seinem einstigen Anspruch auf friedlichen Interessenausgleich nach innen und außen ist der türkische Präsidenten Recep Tayyip Erdogan meilenweit entfernt.

Dies alles muss sich ändern, bevor die Türkei Mitglied einer modernen Zollunion mit der EU werden kann oder gar EU-Vollmitglied. Mit Geiselnehmern verhandelt man nicht. Man hält sie auf Abstand.

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