„Beunruhigung und Angst“

Juden in Frankreich immer häufiger Ziel von Überfällen in eigenem Zuhause

Frankreich kämpft offenbar mit beängstigenden neuen Formen des Antisemitismus: Immer häufiger werden Menschen jüdischen Glaubens in den eigenen vier Wänden angegriffen.

Paris - In Frankreich werden Juden nach Regierungsangaben immer häufiger Opfer körperlicher Gewalt in ihren Häusern und Wohnungen. "Es kommt regelmäßig zu Übergriffen, die für Beunruhigung und Angst in der jüdischen Bevölkerung sorgen", sagte der Antisemitismus-Beauftragte der französischen Regierung, Frédéric Potier, der Zeitung Die Welt vom Dienstag. 

Zwar sei die Zahl antisemitischer Übergriffe auf Synagogen und Schulen dank eines besseren Schutzes deutlich zurückgegangen, sagte Potier. Allerdings habe sich die Form judenfeindlicher Attacken inzwischen geändert: Immer häufiger würden Juden in Frankreich in ihren eigenen vier Wänden überfallen. Zuletzt häuften sich demnach Anzeigen wegen Beschimpfungen und direkter Drohungen gegen Menschen jüdischen Glaubens. 

Zwei Formen des Antisemitismus

Frankreich kämpfe "gegen zwei Formen des Antisemitismus", sagte Potier. "Gegen den rechtsradikalen und gegen den linksradikalen Antisemitismus, der den radikalen Islamismus unterstützt und Ereignisse im Nahen Osten mit Problemen hierzulande vermengt", sagte er. 

Auch der Präsident des zentralen israelitischen Konsistoriums in Frankreich, das die Interessen der Juden in Frankreich vertritt, hatte am Montag von einem Anstieg antisemitischer Straftaten gesprochen. In einem Schreiben an Innenminister Gérard Colomb forderte Joël Mergui, dieser "gefährlichen Spirale" entgegenzuwirken. 

Nach antisemitischen Übergriffen und Demonstrationen in deutschen Städten hatte Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) im Dezember erstmals einen Antisemitismusbeauftragten für die Bundesregierung gefordert. In Frankreich wurde dieser Posten 2012 geschaffen.

AFP

Rubriklistenbild: © AFP

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