Antisemitische Angriffe junger Muslime

Judenfeindliche Äußerungen: Offenbachs Stadtschulsprecher trat zurück

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Kritisiert Integrationspolitik: Max Moses Bonifer.

Offenbach. Max Moses Bonifer, 18 Jahre alt und praktizierender Jude, beklagt antisemitische Angriffe junger Muslime auf seine Person. Er hat deshalb seinen Rücktritt als Stadtschülersprecher von Offenbach verkündet und die Integrationspolitik in Offenbach und ganz Deutschland heftig kritisiert.

Der Vorstand des Stadtschülerrats hat sich inzwischen von Bonifers Aussagen distanziert.

Aus Max Moses Bonifer sprudelt es nur so heraus, seit er quasi über Nacht berühmt geworden ist. Mit seiner Kritik an der Integrationspolitik in Deutschland.

Schlagzeilen macht der 18-jährige Stadtschulsprecher von Offenbach, seitdem er verkündet hat, sein nur noch kommissarisch ausgeübtes Amt niederzulegen. Als seit einigen Jahren praktizierender Jude, der in der Öffentlichkeit die Kippa trägt, sei er von Muslimen immer wieder auf der Straße beschimpft worden, bis hin zu Morddrohungen.

Doch Bonifer, der in Mühlheim am Main lebt und dort inzwischen auch zur Schule geht, hat sich nicht etwa zurückgezogen. Der junge Mann übt vielmehr heftige Kritik an der Politik, deren Integrationsmaßnahmen sich „in Imagepflege“ erschöpften. Er will „direkt an die Menschen heran“, fordert dafür mehr Streetworker. Und lässt auch keinen Zweifel daran, dass Deutschland nach seiner Meinung eben kein Einwanderungsland sei, das alle Not der Welt lindern könne. „Man muss eingreifen in den Staaten, die Andersgläubige verfolgen“, damit die Menschen dort leben könnten, „das sage ich bewusst als Jude“.

„Lasst mich in Ruhe“

Dass er inzwischen europaweit Resonanz erfährt, überrascht allerdings auch den eloquenten Schüler. Und nicht alle Reaktionen sind in seinem Sinne: Ihn regt etwa mächtig auf, dass eine Zeitung den Online-Artikel über ihn mit Sarrazin-Zitaten verknüft hat. Und den Rechtsradikalen, die bereits angeklopft hätten, „sage ich klar: Lasst mich in Ruhe, mit euren kruden Vorstellungen habe ich nichts zu tun!“ Überhaupt: „Ich bin kein Islam-Kritiker, aber ich bin der Meinung, dass die Mehrheit der Muslime hier nicht integrierbar ist.“ Allerdings sagt der angehende Abiturient auch, dass die Vorurteile gegenüber Juden „vom groben Antisemitismus bildungsferner Schichten bis ins Bildungsbürgertum“ reichten. „Reich und geizig“ sei noch immer eine geläufige Charakterisierung von Juden, beklagt der junge Mann.

Ursprünglich hatte er vor allem die Verhältnisse in Offenbach gegeißelt, was in der Lederstadt für Verwunderung sorgte. Die Stadt mit dem höchsten Ausländeranteil in Hessen, zudem noch bettelarm, spricht von „einer Fülle von Projekten und Anstrengungen zur Integrationsarbeit“, die von der Stadt unterstützt würden. Auch der stellvertretende Vorsitzende des Stadtschülerrats, Mohamed El Bannay, hält Offenbachs Integrationspolitik für gelungen. Der Vorstand distanziere sich im Übrigen von den Äußerungen Bonifers, der die von ihm beklagten Vorfälle bisher nicht angesprochen habe.

Inzwischen meint Bonifer allerdings, dass es nicht nur in Offenbach, sondern in ganz Deutschland erhebliche Defizite gebe. Er will daran etwas ändern. Vielleicht finde er ja auch Gehör bei Politikern, gestern Abend traf er sich mit dem Offenbacher Bürgermeister. Unterstützer habe er jedenfalls viele, „auch Muslime haben mir geschrieben.“

Von Petra Wettlaufer-Pohl

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