Demo gegen Antisemitismus in Berlin 

Judentum: Was sind Kippa, Davidstern und Thora? 

Der Angriff auf einen jungen Kippa-Träger in Berlin hat den Antisemitismus ins Licht der Öffentlichkeit gebracht.  Aber was ist eigentlich eine Kippa?

Die Kippa – in der Mehrzahl: Kippot – ist eine kleine runde Kappe, meist aus Stoff, welche von religiösen jüdischen Männern getragen wird. Zum Ausdruck bringen Juden damit vor allem Gottesfurcht: So wie die Kippa sichtbar über dem Mann steht, signalisiert dieser mit ihrem Tragen Demut vor Gott, dem unnennbar Größeren, mit dem keines seiner Geschöpfe wetteifern kann.

Anders als manche Nichtjuden glauben, ist das Tragen einer Kippa aber keine religiöse Vorschrift; es ist eine Tradition. Daher ist auch für männliche Juden nicht entscheidend für ein religiös angemessenes Verhalten, ob sie eine Kippa tragen. Wichtig ist, dass sie überhaupt ihren Kopf bedecken: vor allem an Orten des Gebets, des Gedenkens, in der Synagoge, auf Friedhöfen, bei traurigen und bei feierlichen Anlässen. Ob es sich dabei um eine Kippa handelt, einen Hut oder eine Schirmkappe, ist demgegenüber nachrangig. Befestigt wird die Kippa oft mit einer oder zwei Haarklammern.

Zum Brauch geworden ist das Tragen einer Kippa erst im 16./17. Jahrhundert. In Israel beispielsweise tragen im Alltag nicht alle Juden eine Kippa. Die, welche es tun, können damit außer ihrer grundlegenden Religiosität und Offenheit für zumindest einige der vielen religiösen Gesetze und Sitten im Judentum anzeigen, welcher politischen oder religiösen Richtung sie nahestehen. Die Diskussion darüber wird in Israel übrigens sehr leidenschaftlich und frei ausgetragen.

So tragen orthodoxe Juden eine schwarze Kippa und darüber oft auch noch einen schwarzen Hut. Der wiederum gibt bei ultraorthodoxen Juden einen Hinweis auf unterschiedliche Glaubensrichtungen. Nationalreligiöse, also im politischen Sinne eher konservative Juden erkennt man an gehäkelten Kippot, wobei die Farben eine schier unendliche Vielzahl von Möglichkeiten bieten – eher dunkel, eher hell, ein- oder vielfarbig. Jungen tragen zur Feier ihrer Bar Mitzwa, der religiösen Mündigkeit, meist glänzende Kippot, es gibt viele neutrale Varianten.

Anders als für Männer war im alten Israel eine Kopfbedeckung für jüdische Frauen üblich. Für ultraorthodoxe Frauen gilt das noch immer, wenn man sie überhaupt außerhalb des Hauses sieht. Verheiratete religiöse Jüdinnen tragen in der Öffentlichkeit Hüte oder Perücken, um ihr Haar zu verbergen. Aber auch weniger religiöse Jüdinnen tragen bei festlichen Anlässen Kopfbedeckungen, etwa Kopftücher oder Schleier. Liberale Jüdinnen tragen zuweilen auch Kippot.

Schon gewusst?

Der Davidstern, das zentrale Symbol der Nationalflagge Israels, trägt seinen Namen nach einer der eindrucksvollsten Gestalten der Thora ("Weisung"), dem Hirtenjungen David, der zum König Israels wurde. Das nach unten weisende Dreieck zeigt an: Der Mensch hat sein Leben von Gott. Das nach oben weisende Dreieck zeigt: Zu Gott kehrt der Mensch zurück. Die zwölf Ecken erinnern an die zwölf Stämme Israels. Die sechs kleinen äußeren Dreiecke umrahmen mit dem Sechseck die Mitte, so wie es die sechs Schöpfungstage mit dem siebten Tag, dem Ruhetag (Schabbat), tun. 

Die Thora das sind die fünf Bücher Mose, die er auf der Flucht Israels aus Ägypten von Gott auf dem Berg Sinai empfangen haben soll. In der Thora sind praktisch die ganze Geschichte Israels, seine Erfahrungen und Gesetze aufgeschrieben. Nur handgeschrieben auf Pergament wird sie im jüdischen Gottesdienst verwendet. Das feierliche Lesen daraus ist eher ein Singen. Da jede Thora den von frommen Juden unaussprechlichen Gottesnamen enthält, wird die Thora in einem Schrein geschützt. Das alte Testament der Christen wird von den fünf Büchern Mose eröffnet. (tpa)

Rubriklistenbild: © picture alliance / Michael Kappeler/dpa

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