Die jüngste im Landtag: Lena Arnoldt

Wiesbaden. Die Tage als Landtagsabgeordnete sind mit Terminen vollgestopft. Das musste Lena Arnoldt schnell erkennen. Vor einem Jahr zog sie als Nachrückerin in den Landtag ein.

Sieben Tage die Woche ist die 32-Jährige im Einsatz. „Da bleibt nicht viel Zeit für ein normales Privatleben“, sagt die jüngste Abgeordnete des Landtags. Schließlich ist sie jetzt gewissermaßen Teil der Öffentlichkeit. Mit allen Vor- und Nachteilen. Viel zu verbergen habe sie aber nicht. Dann rückt sie doch mit einem kleinen Geheimnis raus: „Ich habe zwei Punkte in Flensburg.“

Und bald einen sehr prominenten Praktikanten: Einer der beiden Söhne von Ministerpräsident Volker Bouffier studiert Jura und hospitiert bei ihr. Warum sie als VIP-Praktikanten-Betreuerin ausgewählt wurde? „Das habe mich auch gefragt, aber ich wurde offenbar empfohlen“, sagt Arnoldt und lächelt.

Das Lächeln sieht man bei der Abgeordneten, die in Germerode, einem Ortsteil der Gemeinde Meißner, aufwuchs, häufiger. Gefällt ihr eine Frage oder Aussage mal nicht, verschwindet es. Dann zieht sie eine Augenbraue hoch. Sie sei ein direkter Mensch, sagt sie. Und jemand, der immer wieder Ruhe braucht. In Germerode im Werra-Meißner-Kreis fand und findet sie diese Ruhe bei ihren Eltern.

Dort wuchs sie auf und wohnte auch während ihres BWL-Studiums in Göttingen in ihrer Heimat. Andere wollten nach der Schule unbedingt in die weite Welt. Arnoldt sagt: „Mich hat es nie weggezogen.“

Der Weg in die CDU schien fast vorbestimmt. Die Eltern waren beide in der Kommunalpolitik bei der Union tätig. „Man könnte sagen, ich habe die Politik mit der Muttermilch aufgesogen. Aber schreiben sie das ja nicht,“ sagt sie und grinst. Was ihre Eltern gesagt hätten, wenn Sie der SPD beigetreten wäre? „Die Frage hat sie sich nie gestellt und wenn doch, hätten es meine Eltern akzeptiert.“

Das erste Jahr Landtag - da gab es viele neue Situationen: Etwa die erste Rede im Plenum mit schwitzigen Händen und schlagendem Puls im Hals. Die Rede habe sie minutiös geprobt. Die Opposition hielt sich mit Kritik zurück: Welpenschutz.

Schnell musste sie feststellen, dass man auch als Landtagsabgeordneter nur ein „kleines Rad“ ist. Schließlich muss sie immer erst über 45 CDU-Kollegen von einer Sache überzeugen. Auch wenn es darum geht, ländliche Probleme zu lösen - die liegen ihr besonders am Herzen: Die ärztliche Versorgung und die Kinderbetreuung auf dem Land.

Dabei sah es zeitweise so aus, dass sie es nicht in den Landtag schafft. In der Wahlnacht am 22. September 2013 schien ihr zunächst ein Platz im Landtag aufgrund der Stimmverhältnisse sicher. Die FDP erreichte nach ersten Auszählungen die fünf Prozent nicht. Um 1.30 Uhr nachts kam die Wende: Sie erhielt eine SMS aus der Staatskanzlei. „Lena, die FDP hat fünf Prozent. Du bist damit raus.“ Die Party auf dem elterlichen Hof war vorbei. Traurig stand sie im Badezimmer. Ihr Vater tröstete sie. Am Schluss schaffte sie es doch noch: Sie rückte für Mark Weinmeister nach, der Staatssekretär wurde.

Von Max Holscher

Schlagworte zu diesem Artikel

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.