Immer mehr gehen nach Syrien

Junge Frauen sind fasziniert von der Terrorgruppe IS

Voll verschleiert an der Waffe: Ein Propagandavideo der Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) zeigt diese Frauen. Viele Mädchen aus Europa gehen freiwillig nach Syrien, angelockt von falschen Versprechungen. Foto: dpa

Drei 15- und 16-jährige Mädchen aus London sind freiwillig nach Syrien gegangen, um sich der Terrorgruppe Islamischer Staat anzuschließen. Einzelfälle sind die Mädchen nicht.

Shamima, Kadiza und Amira sind 15 und 16 Jahre alt und gingen gemeinsam auf eine Schule im Osten Londons. „Sie waren wirklich klug“, sagt eine Schulkameradin, „sie wussten, was sie wollten“. Sie spricht in der Vergangenheitsform. Ihre Freundinnen sind seit mehreren Wochen verschwunden. Die Polizei ist inzwischen sicher, dass das Trio nach Syrien gereist ist, um sich den Terroristen des Islamischen Staats (IS) anzuschließen. Zurück bleiben in Großbritannien verzweifelte Familien – und große Ratlosigkeit.

Einzelfälle sind die Mädchen nicht, die in ihren Ferien vom Flughafen Gatwick aus heimlich zunächst nach Istanbul geflogen sind. Etwa 60 britische Frauen und junge Mädchen sollen sich dem IS angeschlossen haben. Erst im Dezember war eine 15-Jährige nach Syrien gegangen, die auf dieselbe Schule wie das Trio ging und mit ihnen befreundet war. Auch sie galt als wissbegierig, fleißig und intelligent. Von den 600 Deutschen, die laut Verfassungsschutz für den IS kämpfen, sollen etwa elf Prozent Frauen sein.

Suche nach Schuldigen 

Schnell begann die Suche nach Schuldigen. Die Fluggesellschaft habe sie nicht informiert, dass drei Jugendliche ohne Begleitung an Bord seien, beschwert sich die Polizei. Turkish Airlines hätte die Mädchen gar nicht an Bord lassen dürfen, schimpft eine Parlamentarierin. Der türkische Vize-Premierminister Bülent Arinc kontert, die britischen Behörden hätten sein Land erst nach drei Tagen informiert.

Wichtiger ist die Frage, warum die drei überhaupt fasziniert sind vom IS. Die Terroristen priesen die Rolle „Ehefrau eines Märtyrers“ als zweitbesten Lebensweg nach dem Märtyrertum selbst an, erklärt im „Independent“ Sara Kahn, Direktorin der Organisation „Inspire“, die für sich Frauenrechte und gegen Radikalisierung einsetzt.

Um das Vertrauen der Mädchen zu gewinnen, näherten die Islamisten sich ihnen in Sozialen Netzwerken oder Chatrooms an, machten Komplimente, täuschten Liebe vor.

Auch Frauen spielten beim Anlocken von Mädchen eine Rolle, fährt die Expertin fort. Wie Aqsa Mahmood, die Ende 2013 aus dem schottischen Glasgow nach Syrien gereist war. Sie ist aktiv in Sozialen Netzwerken und hatte Tage vor dem Verschwinden des Londoner Trios über Twitter Kontakt mit Shamima.

Blog-Einträgen zufolge ist sie inzwischen mit einem Dschihadisten verheiratet. „Diese Frauen geben Ratschläge zu allem: von Wegen, auf IS-Gebiet zu gelangen, bis hin zu dem, was man mitbringen soll, und arrangieren auch oft Hochzeiten für ihre neuen Rekruten.“

Bleibt die Frage: Was ist zu tun? Eine Schlüsselrolle sprechen die Experten den Familien zu. „Regierungen müssen in Programme investieren, die Familien wirksame praktische Hilfen vermitteln, wie sie ihre Töchter vom Auswandern abhalten“, heißt es in der Studie. Außerdem müssten Familien darin geschult werden, sich emotional und intellektuell mit IS-Argumenten auseinanderzusetzen. (dpa)

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