Von Bayreuth in den Harz: Der CSU-Mann Oliver Junk will Goslar konsolidieren

Junger OB in alter Kaiserstadt

Goslar. Kurz vor seiner Vereidigung zum Goslarer Oberbürgermeister schreitet Oliver Junk durch die Diele des mittelalterlichen Rathauses - groß, schlank, dunkler Anzug, modische Brille.

Der 35-jährige promovierte Jurist aus Bayreuth wirkt gelassen. Handschlag auch für alle Zuhörer. Zurück an seinem Platz zückt Niedersachsens einziges Stadtoberhaupt mit CSU-Parteibuch die Handykamera und schießt ein Erinnerungsfoto. Dann ruft die ehrenamtliche Bürgermeisterin Renate Lucksch am Dienstagabend zur Vereidigung.

Junk, verheiratet und Vater zweier kleiner Kinder im Alter von einem und vier Jahren, wirkt nicht so, als lasse er sich leicht aus der Fassung bringen. Nur wenn er darüber sinniert, wie er Oberbürgermeister im Harz geworden ist, scheint er noch immer ein wenig überrascht.

Goslar hatte jahrelang für Schlagzeilen gesorgt - wegen der horrenden Überschuldung mit rund 80 Millionen Euro, wegen des Bevölkerungsrückgangs auf rund 41.000 Einwohner und vor allem wegen des politischen Gezänks. Nachdem die Bürger den SPD-Oberbürgermeister Henning Binnewies im April mit großer Mehrheit vorzeitig aus dem Amt gewählt hatten, sollte ein Neuanfang her.

Dass dieser Neuanfang Junk ist, der über Goslar vorher wenig wusste, war eher Zufall. „Da kannte jemand wen, der einen kannte, der einen kannte.“ So habe die Goslarer CDU seine Handynummer erhalten und dann um ihn als Kandidaten geworben, sagt der neue OB. Nach zwei Wochen Bedenkzeit habe er zugesagt. Bei der Wahl im September erhielt der CSU-Mann aus Bayern dann trotz mehrerer Gegenkandidaten mit rund 47 Prozent die mit Abstand meisten Stimmen.

Junks Erklärung dafür: „Die Goslarer Bürger wollen einen Oberbürgermeister, der von außen kommt und nicht Teil des alten politischen Systems ist.“ Er werde jetzt auch nicht hektisch beginnen, schnelle Lösungen zu präsentieren. Er sei schließlich auf acht Jahre gewählt. Deshalb stehe er „nicht unter dem Zwang, bis Weihnachten möglichst viele populistische Aufschläge zu machen.“

Klare Ziele hat der CSU-Mann dennoch: „Ich möchte zur Mitte meiner Amtszeit sagen können, wir haben die Finanzen der Stadt im Griff. Ich möchte gestalten können und nicht nur Mangel verwalten.“ Und er will den Bevölkerungsrückgang stoppen. „Es wäre schön, wenn hier mehr junge Menschen und Kinder unterwegs wären.“ Deshalb will der neue OB Goslar als Wissenschaftsstandort stärken.

Persönlich will Junk noch etwas ganz anderes nach Goslar schaffen. „Ich werde bei meinen Besuchen in Bayreuth immer möglichst viel Bier in den Kofferraum laden. Denn beim Brauen ist Oberfranken den Niedersachsen voraus.“ (lni)

Von Matthias Brunnert

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.