Justiz-Akademie am Ort der Nürnberger Prozesse eröffnet

+
Außenminister Frank-Walter Steinmeier spricht im Schwurgerichtssaal 600, dem früheren Schauplatz der Nürnberger NS-Prozesse. Foto: FRM

1945 haben hier die Alliierten führende Nazis wegen ihrer Verbrechen zur Verantwortung gezogen - künftig sollen im Nürnberger Justizpalast Juristen aus Krisenländern lernen. Und was? Korrupte Politiker und menschenverachtende Diktatoren zur Verantwortung zu ziehen.

Nürnberg (dpa) - Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hat am früheren Schauplatz der Nürnberger NS-Prozesse ein Fortbildungsinstitut für Juristen aus Krisenstaaten eröffnet.

Mit der neuen "Internationalen Akademie Nürnberger Prinzipien" werde das 1945 von den Alliierten begründete Völkerstrafrecht ins 21. Jahrhundert getragen, sagte der Minister bei einem Festakt im Saal 600 des Nürnberger Justizpalastes. In dem Saal hatten die Alliierten vor rund 70 Jahren über führende Nazis zu Gericht gesessen.

Die "Internationale Akademie Nürnberger Prinzipien" (INAP) plant Seminare, Workshops und Übungstribunale, bei denen Juristen aus krisengeschüttelten Ländern praktische Erfahrung zur Aufarbeitung völkerrechtlicher Vergehen in ihren Ländern sammeln sollen. Demnächst treffen Nachwuchsjuristen aus Kolumbien, dem Libanon, Kambodscha und dem Balkan ein, um sich in Übungsprozessen auf ihre Mitwirkung an internationalen Strafgerichtshöfen vorzubereiten.

Besorgt zeigte sich Steinmeier über die aktuell große Zahl von Krisenherden und nannte dabei neben dem IS-Terror auch die Terrorgruppe Boko Haram in Nigeria. Steinmeier sieht in den vielen Krisen ein Kräftemessen, nachdem mit dem Ende des Kalten Kriegs "die Welt ihre Ordnung verloren hat, aber eine andere bisher nicht an ihre Stelle getreten ist". Hier brauche die Welt "effektive Organisationen, die die Einhaltung der Regeln überwachen". Die neue Akademie sei ein Beitrag dazu.

Steinmeier bedauerte, dass sich bislang nur wenige Staaten zu den Prinzipien des internationalen Völkerstrafrechts bekennen. Eine entsprechende Einigung hätten bislang nur 23 Staaten unterzeichnet. Wichtige Staaten wie die USA, Russland und Indien fehlten weiterhin.

Webseite der Internationalen Akademie

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.