Kabul: Erneut Anschlag nach Koranverbrennung

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Das Ziel des Selbstmordattentäters war ein Flughafen im Osten Afghanistans.

Kabul - Weitere Unruhen in Afghanistan: Nach der angeblichen Koranverbrennung durch US-Soldaten gab es heute erneut einen Anschlag. Trotz der prekären Sicherheitslage will die Bundesregierung ihre Truppen abziehen.

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Bei einem Bombenanschlag auf den Flughafen Dschalalabad im Osten Afghanistans sind am Montag neun Menschen getötet worden. Kurz nach Tagesanbruch habe ein Selbstmordattentäter ein mit Sprengstoff beladenes Auto vor die Tore des vor allem von ausländischen Truppen genutzten Flughafens gesteuert und zur Explosion gebracht, teilte der Polizeisprecher der Provinz Nangarhar, Hasrad Mohammad, mit. Ein Fotograf der Nachrichtenagentur AP sagte, er habe mindestens vier zerstörte Wagen am Flughafen gesehen.

Die radikalislamischen Taliban bekannten sich zu dem Anschlag. “Der Angriff ist ein Racheakt gegen die Soldaten, die unseren Koran verbrannt haben“, schrieb Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid in einer E-Mail. Nach Angaben der NATO waren am 19. Februar auf dem US-Stützpunkt Bagram mehrere Korane versehentlich zu einer Grube zur Müllverbrennung gebracht worden.

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Seit fast einer Woche kommt es in Afghanistan nun zu Protesten gegen die Verbrennung von Koran-Ausgaben durch US-Soldaten. Mehr als 30 Menschen kamen im Zuge der Gewalttätigkeiten bislang ums Leben.

Bei den Opfern des Anschlag vom Montag handele es sich um sechs Zivilpersonen, zwei Wachmänner des Flughafens sowie einen Soldaten, erklärte die Polizei. Weitere sechs Menschen seien verletzt worden. Angehörige der internationalen Truppen wurden nach Angaben von NATO-Sprecher Hauptmann Justin Brockhoff nicht getötet. Der NATO-Stützpunkt auf dem Flughafen sei von dem Anschlag nicht betroffen gewesen.

Bundesregierung hält an Abzugsplänen fest

Trotz der angespannten Lage in Afghanistan hält die Bundesregierung an ihren Plänen für einen Truppenabzug fest. Es bleibe bei dem Ziel, die Bundeswehr bis Ende 2014 aus Afghanistan abzuziehen, sagte der Sprecher des Auswärtigen Amts, Andreas Peschke, am Montag in Berlin. Der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Stefan Paris, fügte hinzu, die Rückschläge der vergangenen Wochen seien bedauerlich, “aber nichtsdestotrotz kein Grund, in irgendeiner Art und Weise hier von den strategischen Zielen der Übergabe der Verantwortung abzurücken“.

Allerdings zog die Bundesregierung knapp 40 deutsche Berater aus afghanischen Behörden ab. Betroffen seien rund 30 Experten, die in verschiedenen afghanischen Institutionen tätig seien, sagte Außenamtssprecher Peschke.

Hinzu kämen zwei deutsche Experten, die bei der europäischen Polizeimission angesiedelt seien, sowie nach Angaben des Bundesinnenministeriums zwei Berater des stellvertretenden afghanischen Innenministers. Auch die Bundeswehr habe drei Verbindungsoffiziere aus afghanischen Ministerien abgezogen, fügte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums hinzu.

Auch die Vereinten Nationen planten den Abzug ihrer ausländischen Mitarbeiter aus dem UN-Büro in der Stadt Kundus im Norden des Landes. Die Evakuierung sei nur vorübergehend und die Mitarbeiter würden bis zur Verbesserung der Sicherheitslage in anderen Büros innerhalb von Afghanistan eingesetzt, hieß es in einer Mitteilung der UN. Das UN-Büro in Kundus war bei den Protesten gegen die Koran-Verbrennungen in der vergangenen Woche von Demonstranten angegriffen worden.

Die jüngste Gewaltwelle hat nach Angaben von Botschafter Ryan Crocker keinen Einfluss auf den Kurs der USA in Afghanistan. “Die Lage ist sehr angespannt und ich denke, wir müssen etwas Ruhe einkehren lassen, damit wieder eine normale Atmosphäre herrscht und alles seinen gewohnten Gang geht“, sagte Crocker im Fernsehsender CNN.

dapd

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