Des Kaisers letzter Krieger ist tot

Japaner ergab sich erst 29 Jahre nach Kriegsende

Nationaler Held: Hiroo Onoda, hier im Jahr 1974.

Der japanische Weltkriegssoldat Hiroo Onoda versteckte sich knapp 30 Jahre lang im philippinischen Dschungel und kämpfte seinen eigenen Krieg – ergeben wollte er sich nach Japans Kapitulation 1945 nicht. Jetzt ist er im Alter von 91 Jahren an einem Herzinfarkt in Tokio gestorben.

Die Flugblätter, die nach dem 15. August 1945 über den Philippinen abgeworfen werden, enthalten eine eindeutige Nachricht: Der Zweite Weltkrieg ist beendet. Auch der japanische Soldat Hiroo Onoda liest auf der Insel Lubang den Text - und hält ihn für feindliche Propaganda der Amerikaner, deren Truppen das Gebiet schon im Februar eingenommen haben. Statt also aufzugeben, versteckt sich Onoda zunächst noch mit drei anderen Soldaten weiterhin im philippinischen Dschungel und kämpft seinen eigenen Guerillakrieg - 29 Jahre lang. Erst dann ergibt er sich. Jetzt ist er 91jährig gestorben.

Die Geschichte des Mannes, der bis zu seiner Einberufung 1942 in einem Handelsunternehmen arbeitet, ist unglaublich: Im Dezember 1944 wird der Leutnant in der Armee von Kaiser Hirohito nach Lubang versetzt, im Gepäck einen Befehl, den es unbedingt zu befolgen gilt: sich niemals ergeben. Onoda hat das nicht vor, gilt der Tod im Kampf doch ehrenvoller als die Kapitulation. Und so misstraut er den Flugblättern, hört nicht auf Lautsprecherdurchsagen von Familienmitgliedern und ignoriert den Befehl des japanischen Oberkommandierenden der Philippinen, dass die Kämpfe zu beenden sind.

Stattdessen führt er knapp 30 Jahre lang eine Art privaten Krieg, dem mehr als 30 Menschen zum Opfer fallen und bei dem Hunderte verletzt werden. Laut einem Bericht des Spiegels räubert er bei den Inselbewohnern, überfällt Militärstationen und liefert sich Feuergefechte mit philippinischen Sicherheitskräften.

Der Präsident der Philippinen, Diktator Ferdinand Marcos, hat schließlich genug: Er setzt umgerechnet 6100 Euro Belohnung für dessen Ergreifung Onodas aus. Ein Student aus Japan ist es dann, der Onoda ausfindig macht; zum Aufgeben kann er ihn aber nicht bewegen. Stattdessen muss ein anderer am 9. März 1974 das Ende das Zweiten Weltkrieges bezeugen und Onodas Kapitulation erreichen: Yoskimi Taniguchi, Ex-Major und ehemaliger Vorgesetzter Onodas. Zu diesem Zeitpunkt trägt er immer noch seine Uniform und hat Schwert, Handgranaten und ein Gewehr samt 500 Schuss Munition bei sich. Präsident Marcos begnadigt den Leutnant trotz der begangenen Überfälle.

In Japan erlangt Onoda nach seiner Rückkehr große Popularität, seine Memorien unter dem Titel „Niemals aufgeben: Mein 30-jähriger Krieg“ werden ein Bestseller-Status. Doch der Medienrummel ist zu viel für den einstigen Soldaten: Er tut es seinem Bruder gleich, wandert 1975 nach Brasilien aus, heiratet dort und lässt sich als Viehzüchter nieder. Doch dann ruft die Heimat: Als Onoda davon hört, dass ein Jugendlicher seine Eltern getötet hat, kehrt er nach Japan zurück und gründet eine Naturschule. Mit einer naturorientierten Erziehung will er gegen einen Werteverfall in der „Überflussgesellschaft Japan“ wirken.

2001 wird Onodas Leben verfilmt: In dem Dokumentarfilm „The Last Surrender“ blickt der ehemalige Soldat auf sein Leben zurück.

Krieg im Pazifik

7. Dez. 1941: Japan eröffnet mit einem Angriff auf Pearl Habor den Krieg gegen die USA.

• 4. - 7. Juni 1942: Mit dem amerikanischen Sieg in der Seeschlacht bei den Midway-Inseln wenden sich das Kriegsglück.

• 6. August 1945: Die Amerikaner werfen auf Hiroshima (und später auf Nagasaki) eine Atombombe ab.

• 15. August: Japan kapituliert.

Von Constanze Wüstefeld

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