Kaliabwässer in Werra und Weser: Was nach Abschied von Nordsee-Pipeline geplant ist

Weißgraue Wand aus Salzabfällen: Hinter der Kirche und Häusern von Widdershausen (Landkreis Hersfeld-Rotenburg) erhebt sich der Monte Kali - jeder Regen wäscht Salzabwässer aus.

Kassel.  Am runden Tisch zur Werraversalzung wurde am Montag die überraschende Kehrtwende eingeleitet. Details will Hessens Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) Ende des Monats noch nachliefern.

Klar ist: Die Landesregierung in Wiesbaden verabschiedet sich von Plänen, die den Bau einer Abwasserleitung aus dem Kalirevier an der Werra bis hoch zur Nordsee vorsehen. Politisch nicht durchsetzbar, hieß es am Dienstag aus Wiesbaden, und mit Kosten von derzeit geschätzten 800 Mio. Euro dem Kasseler K+S-Konzern nicht zuzumuten.

Vom runden Tisch im Februar 2010 noch mit großer Mehrheit empfohlen, sollte dieses Rohr die bisherige Beseitigung von Salzabwässern beenden. Die kommen aus Kalifabriken und von Feststoffhalden an der Werra, wo jeder Regen sie auswäscht.

Die Abwässer gehen zu mehreren Millionen Kubikmetern jährlich in die Werra, weiter über die Weser zur Nordsee - und das seit grob 100 Jahren. Der zweite Weg führt in tiefe poröse Gesteinsschichten. Vor allem diese Versenkung will die hessische Landesregierung aus Gründen des Grund- und Trinkwasserschutzes schnellstmöglich abstellen.

Alles an Abwasser einsparen, was technisch möglich ist, den Rest per Rohr an den Flüssen vorbei direkt zur Küste, und spätestens 2020 das Aus für Einleitung und Versenkung - so wollte der runde Tisch Deutschlands salzigsten Fluss langfristig Richtung Süßwasser zurückbringen.

Unrealistisch, räumt die Landesregierung in Wiesbaden nun ein. Niedersachsens rotgrüne Koalition sperre sich nach wie vor gegen das lange Rohr. Auch in NRW wachse Widerstand, heißt es aus Landtagskreisen. Um keine Arbeitsplätze zu gefährden - das ist der zweite Grund für die Abkehr vom Nordseerohr - will Schwarz-Grün den Dax-Konzern in Kassel finanziell nicht überfordern. K+S äußerte sich zu Details gestern nicht.

Am Montag hatte das hessische Umweltministerium am runden Tisch seine Wende mit einem Gutachten der Uni Leipzig untermauert: Danach stehen weder beim langen Rohr zur Entsorgung von Abwässern in die Nordsee noch bei der kurzen Variante zur Oberweser die Kosten und der ökologische Nutzen in einem vertretbaren Verhältnis.

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Das Oberweser-Rohr ist in Wiesbaden offenbar aber nicht vom Tisch. Wenn K+S noch deutlich mehr schafft als die schon angekündigte Reduzierung der Abwässer auf sieben Millionen Kubikmeter jährlich, gilt das kurze Rohr als machbar. Auch gegenüber der EU-Kommission und europaweiten Vorschriften zur Verbesserung der Gewässergüte.

Zweiter Vorteil dieser Variante aus hessischer Sicht: Ländergrenzen muss das kurze Rohr nicht überschreiten. Das soll Planung und Genehmigung einfacher machen.

Den Widerstand der Oberweseranlieger wird das wenig dämpfen. Und das Aus für die alten Entsorgungswege dürfte sich terminlich deutlich nach hinten verschieben. Erste Überlegungen zur weiteren Abwasserreduzierung hat K+S am Montag dem runden Tisch schon vorgestellt: Die riesigen Salzgebirge an der Werra sollen zumindest teilweise abgedeckt werden.

Von Wolfgang Riek

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