Kaliabwasser im Fluss: Land und K+S stellen neuen Werraplan vor

+
Priska Hinz

Kassel/Wiesbaden. Offenbar wurde bis zuletzt an Formulierungen gefeilt: Überraschend kurzfristig haben am Sonntagnachmittag Hessens Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) und der Kasseler K+S-Konzern zur Pressekonferenz geladen.

In Wiesbaden wollen Hinz und K+S-Vorstandschef Norbert Steiner an diesem Montag vor der Landespressekonferenz einen Vier-Stufen-Plan präsentieren, der den seit 100 Jahren von Kalisalzabwässern belasteten Flüssen Werra und Weser Süßwasserqualität zurückbringen soll.

Von der Nordsee-Pipeline zur Direktentsorgung an den belasteten Flüssen vorbei, wie sie im Februar 2010 der runde Tisch zur Werraversalzung mehrheitlich empfahl, hatte sich Hessen kürzlich verabschiedet.

Hintergrund: So soll die Versalzung der Flüsse zurückgehen

Vor zwei Wochen nahm Hessens Umweltministerium Pläne zum Bau einer Nordsee-Pipeline überraschend aus dem Rennen. Mehrheitlich empfohlen hatte das Abwasserrohr vor viereinhalb Jahren der runde Tisch zur Werraversalzung. Gearbeitet hätte es - wenn überhaupt - nicht vor Mitte des kommenden Jahrzehnts.

Lesen Sie auch

Hinz: Hessen verabschiedet sich von der Nordsee-Pipline

Das 450-Kilometer-Rohr aus dem Kalirevier direkt zur Küste - statt wie bislang Laugen-Einleitung in die Werra - sei zwar der beste Weg, um die Salzbelastung auf über 300 Flusskilometern zu reduzieren, räumte das Ministerium ein. Politisch sei es gegen den hinhaltenden Widerstand Niedersachsens aber nicht durchzusetzen. Zudem könne man die Kosten weder K+S noch der Allgemeinheit zumuten: Das Rohr müsste ja nach Ende des Kalibergbaus noch Hunderte Jahre weiter jene Laugenflut wegschaffen, die jeder Regen aus den riesigen, bis über 200 Meter hohen und mehr als 1000 Meter langen Halden wäscht. Neubau, Betrieb, Unterhaltung der Pipeline über Jahrhunderte - das gehe in die Milliarden.

Die neue Strategie des Landes, so viel wurde vor zwei Wochen am runden Tisch zur Werraversalzung schon bekannt: Hessen will im Verhandlungsweg mit K+S erreichen, dass das Salzabwasser aus der Produktion und von den Halden noch weiter zurückgefahren wird. Der Rohstoff aus dem Berg soll dazu besser ausgebeutet werden, die Halden könnte K+S gegen Regen abdecken - zumindest in Teilen.

Es wäre nicht der erste Bremsversuch: K+S hatte 2008 angekündigt, seine Abwässer bis 2015 auf sieben Millionen Kubikmeter jährlich zu reduzieren. Fast zeitgleich stellte damals das Land klar, die Versenkung in tiefe poröse Gesteinsschichten des Plattendolomit solle schnellstens gestoppt werden. Die Versenkung durch Bohrlöcher ist neben der Einleitung in Werra und Weser der zweite Entsorgungsweg für Flüssigabfälle im Kalibergbau. Mehr als eine Milliarde Kubikmeter wurden so im Werrarevier seit 1926 in die Tiefe geschickt.

Grund für die Wiesbadener Warnung vor sechs Jahren: Sorge ums Grundwasser, weil große Teile der Lauge längst wieder Richtung Oberfläche in Grundwasserschichten zurücksteigen und schließlich doch in der Werra landen. Schon kommendes Jahr könnte nach bisheriger Ansage Schluss sein mit dem Versenken: Auch wenn K+S bis dahin auf sieben Millionen Kubikmeter abspeckt - komplett direkt in die Werra dürften die kaum.

Von Wolfgang Riek

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.