Mit Hilfe von Markierungen soll die Zahl der Drahtesel am Bahnhof verringert werden

Kampf dem Fahrrad-Chaos

Wildes Durcheinander: Schätzungsweise 2000 Fahrräder sind im Bereich des Göttinger Bahnhofs abgestellt. Bei manchen sieht man sofort, dass sie nicht mehr benutzt werden. Etwa dann, wenn die Kette verrostet ist (kleines Foto) oder Teile fehlen. Fotos:  Beutner/nh

Göttingen. Genau gezählt hat die Fahrräder niemand, aber es sollen mehr als 2000 sein. Das Bild des Platzes vor dem Göttinger Bahnhof und dem Busbahnhof ist geprägt von einem Wirrwarr aus Drahteseln. Das ist nicht neu: Das Gelände ist von jeher ein beliebter Abstellplatz für die Zweiräder. Viele Pendler fahren mit dem Rad zum Bahnhof und steigen dann in den Zug um.

Doch etwas ist anders als in früheren Jahren: Das Areal entwickelt sich immer mehr zum Fahrrad-Schrottplatz. So mancher Student, der sein Diplom in der Tasche hat, nimmt vielleicht gute Erinnerungen aus Göttingen mit, sein im Laufe der Semester verschlissenes Rad lässt er aber da.

Räder liegen übereinander

Dass viele der Räder lange nicht mehr benutzt wurden, sieht man auf den ersten Blick. Die Ketten sind verrostet, die Reifen platt, Ersatzteiljäger haben Hand angelegt. An einigen Stellen türmen sich die Räder sogar übereinander. Ein sicheres Indiz dafür, dass es sich um Schrott handelt, ist auch der Bewuchs mit Unkraut. Manche Fahrräder sind regelrecht von Grün überwuchert.

Die Stadt Göttingen will diesen Zustand nicht länger hinnehmen. Schließlich ist der Bahnhof einer der Bereiche, die Besucher der Universitätsstadt als erstes zu Gesicht bekommen. Es gibt aber ein Problem: Die Stadt kann nicht willkürlich Räder abtransportieren. Sie muss schlecht gepflegte, aber noch benutzte von herrenlosen Drahteseln unterscheiden können.

Aufkleber auf dem Sattel

Zu diesem Zweck will man nun Markierungen einsetzen.

Jedes Fahrrad, das am Bahnhof beziehungsweise am Busbahnhof abgestellt ist, bekommt einen kleinen Aufkleber verpasst. Wer das Rad noch benutzt wird, so die Annahme der Verwaltung, wird der Besitzer den Aufkleber vom Sattel entfernen. Nach drei Monaten schauen sich die Damen und Herren des Ordnungsamtes die markierten Fahrräder noch einmal an.

All jene, bei denen der Aufkleber noch an Ort und Stelle sitzt, werden nach einem Vierteljahr weggebracht.

Angst, dass man den vielleicht doch noch benutzten Drahtesel nie wiedersieht, braucht gleichwohl kein Radfahrer zu haben. Die konfiszierten Fortbewegungsmittel werden noch weitere drei Monate aufbewahrt. HINTERGRUND

Von Peter Ketteritzsch

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