Kampf gegen das Bienensterben ist bislang wenig erfolgreich

Nützliche Insekten: Bienen bestäuben viele Pflanzen und sorgen für ein Gleichgewicht der Natur. Im Bild eine Honigbiene an den kleinen Blüten der Gewöhnlichen Schneebeere. Foto: dpa

Brüssel. Als der Dichter Hoffmann von Fallersleben Anfang des 19. Jahrhunderts in seinem bekannten Kinderlied den Bienen versprach „Summ, summ, summ, Bienchen summ herum, ei, wir tun dir nichts zuleide ...", hat der Heimatfreund noch nichts von Pestiziden gewusst.

„In den letzten zehn bis 15 Jahren wurde von Imkern ein ungewöhnlicher Rückgang der Bienenzahl beobachtet“, konstatierte dagegen vor drei Jahren bereits höchst offiziell die EU-Agentur für Lebensmittelsicherheit (EFSA) in Parma/Italien. Inzwischen hat das Problem Ausmaße angenommen, die US-Wissenschaftler dazu veranlasst haben, von einem „Völkerkollaps“ zu sprechen. Die Tiere sterben auf den Feldern einen stillen Tod.

Pflanzenschutzmittel wie Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam sowie Fipronil wurden als Insektenkiller erkannt und von der EU-Kommission verboten. Im Mai fand eine Forschergruppe des EU-Wissenschaftsnetzwerkes Easac heraus, dass die Insektizide nicht nur Honigbienen, sondern auch Motten und Schmetterlinge schädigen.

Alle drei bestäuben Pflanzen. Und sie dienen bestimmten Vogelarten als Nahrung. „In den letzten 20 Jahren hat die Artenvielfalt in einem erschreckenden Ausmaß nachgelassen“, sagte der CDU-Europa-Abgeordnete und Landwirt Karl-Heinz Florenz unserer Zeitung. „Viele Singvögel sind längst weg, bei Fasanen und Rebhühnern gibt es einen Rückgang um 80 Prozent.“

Das Problem alarmiert die Naturschützer. Inzwischen sammelt die Kampagne „SumOfUs“, hinter der zahlreiche europäische Umweltaktivisten stecken, im Internet Unterschriften. Denn obwohl die Kommission vor zwei Jahren erstmals die vier besonders stark wirkenden Pestizide von den Äckern verbannt hat, hat sie nach Angaben der Organisatoren nun mit dem Produkt „Sulfoxaflor“ ein neues Präparat zugelassen. Die Grundlage dafür sei, so die Aktivisten, ein Unbedenklichkeitsnachweis, den der Hersteller selbst erbracht hat. Es handelt sich um Dow Chemical, einen Chemieriesen in den USA.

Die Schädlichkeit des Präparats für die Bienen wurde vor Kurzem auch von einem US-Gericht bestätigt, das den Einsatz des Insektizids in den USA untersagte. Mittlerweile haben sich bereits fast 100.000 Unterzeichner der Online-Initiative angeschlossen. Das ist zwar noch weit von der Million entfernt, die für ein Europäisches Bürgerbegehren notwendig wäre. Doch das Bewusstsein für die Probleme des Bienensterbens wächst.

Pestizide wirkt wie Nervengift

Die Pestizide Clothianidin und Imidacloprid des deutschen Bayer-Konzerns können nach Studien wie Nervengifte auf die Bienen wirken. Tiere, die nicht daran sterben, können ihr Orientierungs- und Kommunikationsvermögen sowie die Fähigkeit verlieren, sich um ihren Nachwuchs zu kümmern, sagen Wissenschaftler. Das EU-weite Verbot für Pestizide gilt im Freien. In Gewächshäusern dürfen sie ebenso eingesetzt werden wie draußen für Wintergetreide und Pflanzen, die keine Bienen anlocken. Kritiker fürchten, dass sich die Chemikalien in Böden und Grundwasser ablagern könnten. Der Fortbestand der Bienen ist für die Natur überlebenswichtig. In Zahlen: Statistiker schätzen den wirtschaftlichen Nutzen der 750.000 deutschen Bienenvölker für Pflanzen auf 22 Milliarden Euro im Jahr.

Einen Kommentar von Peter Klebe lesen Sie hier.

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