Hessen bekommt neue Hygieneverordnung - mehr Personal in Kliniken

Kampf gegen die Keime

Sollen regelmäßig Schulungen in Sachen Hygiene erhalten: Mitarbeiter an hessischen Krankenhäusern. Außerdem wird eine Meldepflicht für importierte Erreger eingeführt. Foto: dpa

Wiesbaden. Hessens Krankenhäuser müssen nachrüsten: Gestern hat Sozialminister Stefan Grüttner (CDU) die neue Hygieneverordnung vorgestellt. Deren Vorgaben führen laut Minister dazu, „dass fast alle nachlegen müssen.“

Denn die Zahl multiresistenter Erreger wie MRSA nehme zu und damit auch die Herausforderungen für die Krankenhäuser. Wenn Antibiotika nicht mehr anschlügen, verlängere dies die Behandlungsdauer, steigere die Kosten und erhöhe die Sterblichkeit, sagte Grüttner. Vor allem auf der Personalseite dürfte auf die Kliniken einiges zukommen.

Mehrere Hygieneskandale unter anderem in Fulda und Kassel hatten die Fachleute alarmiert. Nachdem der Bund ein Infektionsschutzgesetz vorgelegt habe, habe Hessen nun als eines der ersten Bundesländer nachgelegt, so Grüttner. Die Verordnung, die Anfang Dezember in Kraft treten soll, legt einen von der Bettenzahl abhängigen Mindestbedarf an Hygienefachpersonal fest. Kliniken müssen zudem dessen Weiterbildung sicherstellen.

Da das Fachpersonal derzeit noch nicht in ausreichendem Maße zur Verfügung steht, bietet die Technische Hochschule Mittelhessen ab 2012 einen Bachelorstudiengang „Krankenhaushygiene“ für 60 Studierende im Jahr an. Ab 2017 sei auch ein Masterstudiengang geplant, so der TH-Professor Hans-Martin Seipp.

An Krankenhäusern soll es künftig neben den Fachkräften auch Hygienebeauftragte und eine Hygienekommission geben, die verbindliche Hygienepläne festlegt.

Importierte Erreger

Mit der neuen Verordnung führt Hessen außerdem eine Meldepflicht für solche Erreger ein, die meist aus dem Ausland eingeschleppt werden und bei denen es keine Therapiemöglichkeit gibt.

Laut Grüttner gilt die Verordnung nicht nur für Krankenhäuser, sondern auch für Praxen für ambulantes Operieren, für Krankenhäusern vergleichbare Vorsorge- und Rehaeinrichtungen, Dialyseeinrichtungen und Arzt- und Zahnarztpraxen, sofern es dort zu operationsähnlichen Eingriffen kommt.

Die Refinanzierung des Mehrbedarfs müssen die Kliniken laut Grüttner mit den Krankenkassen verhandeln. Die stellvertretende Leiterin des Frankfurter Gesundheitsamtes, Ursel Heudorf, sagte, früher seien die Ämter „der natürliche Feind“ der Verwaltungsleiter in den Kliniken gewesen. Heute wüssten auch die Verwaltungen, dass Hygieneausgaben sich für jede Klinik sowohl finanziell als auch für die Außendarstellung rechneten.

Von Petra Wettlaufer-Pohl

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.