Bei weniger Lichtverschmutzung könnte im Harz der erste Dark Sky Park entstehen

Kampf gegen das Licht

Vor dem Modell der geplanten Sternwarte in St. Andreasberg: Dr. Andreas Hänel, Utz Schmidtko und Prof. Dr. Ulrich Fischer Hirchert (v.l.) kämpfen gegen die Lichtverschmutzung. Foto: Niesen

St. Andreasberg. Im Harz könnte der erste Dark Sky Park Deutschlands entstehen – wenn die Lichtverschmutzung in Deutschlands nördlichstem Mittelgebirge reduziert wird. Denn das ist Voraussetzung, um den Sternenhimmel in seiner einigermaßen natürlichen Dunkelheit erleben zu können.

Den Anstoß dazu haben engagierte Hobby-Astronomen gegeben, die auf der Jordanshöhe in St. Andreasberg auf 725 Meter Höhe eine Sternwarte errichten wollen. „Wir planen die Vermittlung astronomischer Grundlagen. Die Lage in der Nähe von mehreren Schullandheimen ist ideal“, sagte am Samstag der Vorsitzende des Sternwarten-Vereins, Utz Schmidtko (Großburgwedel).

Die Höhenlage ist günstig. Doch wer denkt, dass im Naturparadies Harz ein ungestörtes Beobachten des nächtlichen Sternenhimmels möglich ist, irrt. Bei guter Sicht sind selbst die Lichtglocken von Hildesheim und Hannover wahrnehmbar.

Brocken-Bahnhof stört

Besonders störend für den Standort St. Andreasberg sind allerdings der Bahnhof auf dem Brocken, die Hotelanlagen auf dem Sonnenberg und das Areal um den Parkplatz Torfhaus, die mit ihren Lichtemissionen Himmelsbeobachtungen beeinträchtigen.

Ein Beispiel dafür ist nach den Worten des Lichtverschmutzungs-Experten Dr. Andreas Hänel vom Planetarium am Schölerberg in Osnabrück das Zodiakallicht, das nachts durch Reflexion und Streuung des Sonnenlichts entsteht. „Vor 100 Jahren konnte man das in Deutschland noch überall beobachten, heute nur noch an wenigen Stellen.“ Auch die Milchstraße ist an vielen Orten nicht mehr zu sehen.

Energieeinsparung

Dabei helfen nach den Worten des Wissenschaftlers einfachste Mittel gegen die Lichtverschmutzung. „Lichtquellen abschalten und Straßenlampen ausschließlich nach unten abstrahlen lassen.“ Ganz nebenbei würde massiv Energie eingespart und die Kohlendioxid-Emission vermindert.

Die Auswirkungen der Lichtverschmutzung auf die Natur seien gravierend. In jeder Sommernacht verendeten durchschnittlich 1,2 Milliarden Insekten in Straßenlampen und Vögel verlören die Orientierung. Das ungebremste Lichtwachstum behindere zudem die Melatoninproduktion im menschlichen Körper, so dass es zu immer mehr Schlafstörungen komme.

Beleuchtungsplan

Die Politik im Harz hat auf die Forderungen inzwischen reagiert. Ein kommunaler Beleuchtungsplan in St. Andreasberg ist auf den Weg gebracht, ein Beleuchtungskataster für den Harz in der Diskussion.

Eine Ausstellung zum Thema Lichtverschmutzung und ökologische Stadtbeleuchtung wird derzeit in Nationalparkhaus St. Andreasberg, Erzwäsche 1, gezeigt. Hintergrund

Von Hans-Peter Niesen

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