Islamist aus Hattersheim in Syrien umgekommen

Kampf gegen radikale Muslime: Hessen verstärkt Netzwerk gegen Salafismus

Frankfurt. Die Zahl der Salafisten in Hessen wächst. Ihre Radikalisierung macht dem Land Sorgen. Erst Dienstag gab die Staatsanwaltschaft Frankfurt bekannt, dass ein 24-jähriger Islamist aus dem hessischen Hattersheim bei Kämpfen in Syrien ums Leben gekommen ist.

Ist Hessen ein Zentrum der Salafisten? 

Die Zahl der Salafisten ist in Hessen von 2012 bis Ende 2013 um ein Drittel auf 1200 gestiegen, erklärt das Landesamt für Verfassungsschutz (LfV). Bundesweit werden 5500 Moslems dieser extremistischen Richtung zugerechnet. Hessen knüpft deshalb ein Präventionsnetzwerk (siehe Hintergrund). LfV-Präsident Roland Desch spricht morgen in Kassel auf Einladung des Vereins Bürger und Polizei zu den Aufgaben des Verfassungsschutzes mit Blick auf den Islamismus. Der Vortrag ist nicht öffentlich.

Wie sieht es in Nordhessen aus?

Salafistische Aktivitäten finden vor allem im Rhein-Main-Gebiet statt. „In Nordhessen ist Kassel die Region, die ebenfalls aufgrund ihrer Bevölkerungsstruktur am meisten von salafistischen Aktivitäten betroffen ist“, sagt LfV-Sprecher Marcus Gerngroß.

Wie viele Islamisten reisen in Richtung Syrien aus? 

Laut LfV liegen bundesweit Erkenntnisse zu mehr als 450 deutschen Islamisten beziehungsweise Islamisten aus Deutschland vor, die in Richtung Syrien ausgereist sind, um dort zu kämpfen oder den Widerstand zu unterstützen. Nach Angaben der Frankfurter Polizei kamen bisher mehr als zehn Islamisten allein aus dem Rhein-Main-Gebiet um.

Wie viele Islamisten sind zurückgekommen? 

Etwa ein Drittel der Ausgereisten. Über die meisten gibt es keine Informationen, dass sie vor Ort gekämpft haben. Bundesweit wissen die Sicherheitsbehörden von etwa 25 Personen, dass sie aktiv am bewaffneten Widerstand in Syrien beteiligt waren. Mehr als 40 Menschen sollen in Syrien oder dem Irak gestorben sein.

Wie gefährlich sind die radikalisierten Rückkehrer? 

„Von Rückkehrern aus den Kampfgebieten geht ein besonderes Sicherheitsrisiko aus“, sagt Gerngroß. „Diese Personen genießen in der salafistischen Szene hohes Ansehen und tragen zur Radikalisierung weiterer Personen bei.“ Die hessischen Sicherheitsbehörden haben diese Rückkehrer deshalb besonders im Auge. Ihr oberstes Ziel ist aber, „bereits dshihadistisch motivierte Ausreisen zu verhindern“. Dabei tauschen mehrere Behörden ihre Informationen aus.

Wie groß ist die Gefahr möglicher Anschläge in Hessen? 

Aktuell gebe es keine konkreten Gefährdungsaspekte, erklärt das LfV. Die Schutzmaßnahmen seien unverändert auf hohem Niveau.

Von Wolfgang Riek und Barbara Will

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