Mit kraftstrotzendem Selbstbewusstsein in die Landtagswahl 2013

Niedersachsens Grüne: Kampf mit Hirn, Charme und Melone

Kultserie als Vorbild: Anja Piel und Stefan Wenzel mit Wahlplakat. Foto: dpa

Wolfsburg. Der erste Entwurf für ein Wahlplakat kursiert direkt nach der Wahl der beiden Spitzenkandidaten. „Mit Hirn, Charme und Melone“ steht darauf.

Es zeigt die grüne Landesvorsitzende Anja Piel und Fraktionschef Stefan Wenzel im Stil und Outfit der englischen Kultserie über die Geheimagenten Emma Peel und John Steed.

Ein augenzwinkernder Scherz, der aber auch das kraftstrotzende Selbstbewusstsein der Grünen und ihre unbändige Lust am Machtwechsel in Niedersachsen dokumentiert. „Wir wollen Schwarz-Gelb auf die Oppositionsbank schicken“, ruft Piel, die bisher noch nicht im Landtag sitzt.

Zur demonstrativen Siegeszuversicht passen die deutlichen Ergebnisse für das Spitzenduo, mit dem die Grünen nun in die Landtagswahl am 20. Januar 2013 gehen. 75 Prozent bekommt Piel bei der Listenaufstellung in der Wolfsburger Kongresshalle, 90 Prozent heimst gar der Göttinger Wenzel ein. Ebenfalls Topergebnisse erzielen die bei der grünen Basis anerkannten und beliebten Experten der Abgeordnetenriege: Sozialpädagogin und Anti-Gorleben-Kämpferin Miriam Staudte aus Lüneburg auf Platz drei, gefolgt von Christian Meyer aus Holzminden, dem bereits das Amt des Agrarministers in einer rot-grünen Koalition zugetraut wird, und Ina Korter, bei der CDU/FDP-Koalition gefürchtete schulpolitische Sprecherin aus Nordenham. Die Migrationsfachfrau der Fraktion Filiz Polat und Justiz-Experte Helge Limburg erhalten die Ränge sieben und acht.

Wegen der Neuen-Quote in der grünen Satzung sind die Plätze sechs und neun für Parlamentsnovizen reserviert; sie gehen an Thomas Schremmer aus Hannover und die Grüne-Jugend-Aktivistin Julia Hamburg (26) aus Göttingen. „Natürlich funktioniert eine rot-grüne Koalition nur mit einem quotiertem Kabinett“, fordert die bekennende Feministin schon mal einen höheren Frauenanteil in den Ministerämtern.

Ein Linksrutsch, eine deutliche Verschiebung zum Fundilager, wie einige Realos unken? Kämpferische Auftritte jedenfalls zählen zeitweise mehr als Kompetenz. „Hier setzen sich vor allem Selbstdarsteller durch“, raunt eine Delegierte wütend. Kluge, nüchterne Sacharbeit spielte kaum eine Rolle. Gabriele Heinen-Kljajic aus Brauschweig bekommt das gleich zweimal zu spüren. Die Wissenschaftsexpertin und Parlamentsgeschäftsführerin, der im Landtag allseits gute Arbeit bescheinigt wird, rasselt deutlich gegen Staudte und Polat durch. Erst auf Rang 13 klappt es.

Der Listenmarathon stellt auch die rund 180 Delegierten vor harte Herausforderungen. Es herrscht Massenansturm auf die mittleren Plätze, die nach den derzeitigen Umfragewerten einen sicheren Platz im neuen Landtag bedeuten würden. Das bedeutet langatmige Vorstellungsrunden und zermürbende Wahlgänge. Dabei setzen sich nicht unbedingt die „alten Hasen“, sondern vor allem viele ambitionierte Neulinge durch.

Von Peter Mlodoch

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