Neue Hygieneverordnung nimmt Häuser in die Pflicht – Oft fehlt es noch an Personal

Kampf den Klinik-Keimen

Hygieneverordnung gilt seit April: Die Universitätsmedizin Göttingen ist darauf vorbereitet. Archivfoto: nh

Hannover/Göttingen. Die Ausbreitung lebensgefährlicher Keime in Kliniken soll mit einer neuen Hygieneverordnung besser bekämpft werden. „Wir wollen, dass die Infektionsrisiken für die Menschen in Krankenhäusern so weit wie möglich minimiert werden“, sagte Niedersachsens Gesundheitsministerin Aygül Özkan (CDU).

Die am 1. April in Kraft getretene Verordnung schreibt den Einrichtungen unter anderem vor, eine Hygienekommission einzurichten. Alle Risikopatienten müssen darüber hinaus auf gefährliche Erreger getestet werden. Die Häuser sind bisher unterschiedlich auf die Verordnung vorbereitet – in der Universitätsmedizin Göttingen sieht es gut aus, hier gibt es ein Hygiene-Team und ein Hygiene-Labor.

Nach Schätzungen sterben jedes Jahr in Deutschland 10 000 Menschen an Krankenhausinfektionen. Antibiotikaresistente Keime sind auf dem Vormarsch. Große Bestürzung löste der Keimausbruch auf der Bremer Frühchenstation aus – mehrere Neugeborene infizierten sich und starben.

Die niedersächsische Krankenhausgesellschaft erklärte, angesichts des Ärztemangels sei es schwierig, Personal für die zusätzlichen Aufgaben zu finden. Eine neue Verordnung sei nicht notwendig gewesen, kritisierte Verbandsdirektor Helmut Fricke. „Es ist sowieso schon alles durch Richtlinien geregelt gewesen.“ Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte den Bundesländern die Einführung einer Hygiene-Verordnung vorgeschrieben. Zuvor hatte nicht einmal die Hälfte der Länder entsprechende Vorgaben.

„Es ist extrem wichtig, dass es jetzt eine verpflichtende Hygieneverordnung gibt“, sagte der Leiter des Qualitätsmanagements der Uni-Klinik Göttingen, Arnt Suckow. Selbst unter den Uni-Kliniken hätten nicht alle Häuser Krankenhaus-Hygieniker. Aus Kostengründen würden gerade in kleineren Einrichtungen gar nicht erst Hygiene-Abteilungen eingerichtet.

An der Uni-Klinik Göttingen unterstützt ein zwölfköpfiges Team den Hygienearzt Hamparsum Mergeryan. Wichtig sei, möglichst viele vorbeugende Untersuchungen zu machen, betonte der Hygienearzt. Dafür steht in Göttingen sogar ein unabhängiges Krankenhaus-Hygienelabor zur Verfügung. (lni)

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