Mit Meinhart Ramaswamy aus Göttingen an der Spitze ziehen die Piraten in den Landtagswahlkampf

„Kandidatengrillen“ bei den Freibeutern

Spitzenmann der Piraten: Meinhart Ramaswamy aus Göttingen. Foto: dpa

Nienburg. Mit dem Werbegrafiker Meinhart Ramaswamy (58) aus Göttingen an der Spitze ziehen diese Politneulinge nun in die Landtagswahl. Dort streben die Piraten ein Ergebnis von „sechs Prozent plus“ an – ein nach den Umfragen eher bescheidendes Ziel. „Wir müssen kämpfen, als kämen wir von null Prozent“, meint Landesschatzmeister Ramaswamy. Eine Regierungsbeteiligung schließen die Piraten aber vorsorglich schon mal aus. „Wir sind nicht koalitionsfähig“, erklärt der Landesvorsitzende Andreas Neugebauer unter großem Applaus. „Nicht, weil wir es nicht können. Sondern, weil wir es nicht wollen.“ Auch der 58-jährige Spitzenkandidat mit indischen Wurzeln sieht das so: „Ich hoffe, dass wir der Versuchung der Macht widerstehen können.“ Wenn es aber unvermeidbar werde, fügt der Vater von sieben Kindern scherzend an, „würde ich das Kultusministerium nehmen.“

Im Saal des „Weserschlösschens“ müssen Niedersachsens Piraten erst einmal Schlange stehen: Zur Akkreditierung, zur Registrierung als stimmberechtigtes Mitglied, mit Personalausweis, um ihren Wohnsitz in Niedersachsen ordnungsgemäß nachzuweisen. Am nächsten Tisch wird kassiert, 36 Euro Beitrag, die etliche Freibeuter und spontane Neu- Pirateneintritte noch berappen müssen.

Danach geht es raus ans Weserufer – zum Foto-Shooting der Kandidaten. „Niedersachsens next Top-Pirat“ witzelt ein Wartender. Drinnen springen sekündlich Grußnachrichten via Twitter über die Großleinwand. „Ihr seht gut aus!“, säuselt ein gewisser „freakkaerf“ an Parteifreunde.

Drei Minuten Zeit

Vor der ersten, viel umjubelten Personalentscheidung steht aber ein zermürbender Wahlmarathon. Einem Stichentscheid entgeht die Partei, weil Ur-Pirat Christian Koch bei gleicher Stimmenzahl Ramaswamy den Vortritt lässt. 38 Kandidaten – darunter nur zwei Frauen – möchten auf Platz eins; ins Internet haben sie schon jede Menge Informationen über sich ausgebreitet. Jetzt können sie sich noch persönlich vorstellen, maximal drei Minuten, die nicht alle zur Erleichterung der 310 anwesenden Mitglieder ausschöpfen. Vorratsdatenspeicherung, Urheberrecht, Transparenz – diese ur-piratigen Themen spielen in den Präsentationen die Hauptrolle. Es geht auch um Mindestlohn, Kinderbetreuung, Studiengebühren, Atommüll und den Umgang mit rechtsradikalen Tendenzen bei den Piraten.

Schonungslos wird es in der Fragerunde, genannt „Kandidatengrillen“. In welchen Parteien sie vorher waren, ob sie schon mal Plakate geklebt haben, ob sie dem Stress des Wahlkampfs gewachsen sind, will die Basis wissen.

Von Peter Mlodoch

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