Zu Gast in Berliner Gymnasium

Mauerbau: Kanzlerin gibt Schülern Nachhilfe

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Bundeskanzlerin Angela Merkel steht vor einer 12. Klasse des Berliner Heinrich-Schliemann-Gymnasiums

Berlin - Heute vor 52 Jahren wurde in Berlin mit dem Mauerbau begonnen. Für Kanzlerin Merkel ein Grund, die zwölfte Klasse eines Gymnasiums zu besuchen und den Schülern Nachhilfe zum Thema zu geben.

Fast wie ein Popstar wird die Kanzlerin von Hunderten Schülern im Berliner Szenebezirk Prenzlauer Berg begrüßt. Applaus brandet auf, Jubel ertönt, als Angela Merkel (CDU) am Dienstag im Heinrich-Schliemann-Gymnasium eintrifft. Sie schüttelt Hände und posiert für Smartphone-Fotos. Die Drillinge Elisabeth, Marlene und Charlotte überreichen weiße Blumensträuße. „Frau Kanzlerin, Salve“, flöten alle drei zur Begrüßung. Doch der Besuch hat einen ernsten Hintergrund und Merkel eine ungewohnte Rolle.

"Ich weiß, dass meine Eltern sehr traurig waren"

Im petrolfarbenen Blazer und heller Hose steht Merkel als Geschichts-„Vertretungslehrerin“ vor Schülern der zwölften Jahrgangsstufe. Das Thema: Der Bau der Berliner Mauer vor 52 Jahren. „Ich war sieben Jahre alt und weiß, dass meine Eltern sehr traurig waren“, erinnert sich die Kanzlerin auf dem Schulhof an den 13. August 1961. „Ich persönlich kann mich jetzt nicht ganz genau erinnern. Ich weiß nur, dass ich zwei Tage vorm Mauerbau noch in West-Berlin mit meiner Großmutter aus Pankow war.“

Merkel kam in Hamburg zur Welt, ihre Eltern zogen aber mit ihr kurz nach der Geburt in die DDR. Zu Diskussionen über ihre ostdeutsche Vergangenheit und die Zeit als Mitglied der Freien Deutschen Jugend (FDJ, Nachwuchsorganisation der SED) hatte Merkel im Mai erklärt, sie erzähle nicht ungern über ihr Leben in der DDR. Es komme auf die Einordnung an. Und die FDJ sei eben auch ein Raum für gemeinschaftliche Unternehmungen gewesen.

"Meine Lieblingsstunden waren Sprachen oder Deutsch oder auch Mathe"

1961 - als die Teilung Deutschlands besiegelt wurde, kam Merkel zur Schule. „Und meine Lieblingsstunden waren eigentlich immer Sprachen oder Deutsch oder auch Mathe.“ Das Ambiente in dem alten Gymnasium erinnere sie sehr an die eigene Schulzeit, sagt die Kanzlerin kurz vor ihrer ersten Stunde als Lehrerin. Konzentriert sei sie und gespannt. „Ich habe mich außerdem noch einmal ein bisschen geschichtlich sattelfest gemacht.“ Dann werden die Türen zum Klassenzimmer geschlossen.

Die Schule hat sich akribisch auf den Merkel-Besuch vorbereitet. Das Tor sei neu gestrichen, die Hecken geschnitten und alles geputzt worden, erzählen mehrere Schüler. „Eigentlich wie früher im Osten“, meint eine Abiturientin. Selbst an „Streckenposten“ wurde gedacht. Sie halten dünne Absperrbänder und bahnen der Kanzlerin den Weg ins Gebäude.

Merkels Frisur im Wandel der Zeit

Merkels Frisur im Wandel der Zeit

Nur 26 der rund 800 Gymnasiasten erleben Lehrerin Merkel. Zu Beginn der Stunde habe sie ihren Namen an die Tafel geschrieben, erzählt Milena Zwerenz danach. Sie war für das Jugendmagazin „Spiesser“, das den Besuch organisierte, im Unterricht dabei.

Die Schüler sollten auf Arbeitsblättern mit einer Berlin-Karte die Mauer einzeichnen, berichtet Zwerenz. Danach habe „Frau Merkel“ die richtige Lösung an der Tafel präsentiert. Anfangs sei sie etwas strenger gewesen, erzählt die 23-Jährige. „Nach einiger Zeit ist sie aber aufgetaut und hat ganz viel mit den Schülern geredet.“

Etliche der jüngeren Schüler, die sich auf dem Pausenhof tummeln, wissen zumindest, dass der Besuch der Kanzlerin „irgendwas mit der Mauer“ zu tun hat. Ein Stückchen weiter haben ein paar Jungen aber eine andere Antwort parat: „Na klar, die ist jetzt bei uns, weil Wahlkampf ist.“

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dpa

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