SPD-Politiker wird bedroht

Karl Lauterbach von Corona-Leugnern bedroht: „Es wird so lange gehetzt, bis etwas passiert“

Karl Lauterbach erlebt täglich Anfeindungen. Durch die Corona-Pandemie nehmen die Drohungen zu. (Archivbild)
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Karl Lauterbach erlebt täglich Anfeindungen. Durch die Corona-Pandemie nehmen die Drohungen zu. (Archivbild)

SPD-Politiker Karl Lauterbach hat mit heftigen Drohungen und Anfeindungen zu kämpfen. Die Corona-Pandemie habe das sogar noch verstärkt.

Kassel – Schon vor Corona* wurde SPD-Politiker und Gesundheitsexperte Karl Lauterbach* bedroht. Doch durch die Pandemie haben die Anfeindungen gegen ihn zugenommen, berichtete der Abgeordnete der Bild am Sonntag.

„Ich erhalte jeden Tag Beleidigungen, Drohungen, oft auch Morddrohungen. Das geht so weit, dass genau beschrieben wird, auf welche Art und Weise ich zu Schaden kommen oder sterben soll“, erklärte der Gesundheitsexperte im Bild-Interview.

Drohungen gegen Karl Lauterbach: SPD-Politiker bringt Anfeindungen zur Anzeige

Meist erhalte Lauterbach die Drohungen per Post in Papierform. Aber auch im Netz auf Twitter, Facebook und Instagram wird der SPD-Politiker massiv angefeindet. „Auch im Netzwerk Telegram, das ich selbst nicht nutze, kursieren Gewaltaufrufe gegen mich. Ich möchte das gar nicht alles lesen. Das Übelste lasse ich routinemäßig durch Mitarbeiter zur Anzeige bringen, meist in Sammelverfahren“, so der 58-Jährige, der häufig in Talkshows über die Corona-Politik sprach.

Hass erfährt Lauterbach sogar auf offener der Straße und im Restaurant, während der Bundestagswahl 2021* auch am Wahlkampfstand. „Deshalb habe ich Personenschutz. Ohne das BKA und teilweise die Landespolizeien wäre ich diesmal nicht in der Lage gewesen, so wie sonst am Wahlkampf teilzunehmen und Bürger zu treffen“, erklärte er weiter. „Zu Terminen oder Ständen komme ich daher in der Regel unangemeldet. Ich habe gelernt, mit der Situation umzugehen.“

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Video: Lauterbach schießt gegen Laschet – „So dumm kann niemand sein“

Karl Lauterbach: Im Netz entsteht ein „kollektives Hass-Narrativ“

Karl Lauterbach vermutete, dass vor allem Menschen aus der sogenannten Querdenker-Szene, Corona-Leugnerinnen und -Leugner, Reichsbürgerinnen und Reichsbürger sowie Aktivisten der Incel-Bewegung dahinter steckten. Der SPD-Politiker beobachtete, wie sich die Menschen im Internet zunehmend radikalisieren und aggressiver werden. „Sie fühlen sich als diskriminierte Opfer und beleidigen und bedrohen ohne jeden Selbstzweifel. So was entsteht nur im Netz, ein kollektives Hass-Narrativ“, schrieb er auf Twitter.

Incel-Community

Incel ist eine in den USA entstandene Subkultur im Netz von Männern, die keinen Sex beziehungsweise keine romantischen Beziehungen haben. „Incels“ verzweifeln daran, einem mutmaßlichen Idealbild nicht zu entsprechen und richten ihren Hass vor allem gegen Frauen.

„Es war klar, dass so lange gehetzt wird, bis etwas passiert. Die Reaktionen zeigen leider: Es geht trotzdem weiter“, so Lauterbach. „Ich mache das, was ich tue, aus Überzeugung, werde dafür bezahlt und fühle mich gut geschützt.“ Gleichzeitig zieht er Verbindungen zum Mord an dem 20-jährigen Studenten und Tankstellenmitarbeiter in Idar-Oberstein*. „Dass jetzt ein junger Mensch, der einfach seine Pflicht getan hat, sein Leben gelassen hat, ist wirklich furchtbar“, sagte Karl Lauterbach. (kas) *hna.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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