Auftritt bei „Maybrit Illner“

Karl Lauterbach: Corona-Lockerungen wie in England? - „Sind niemals in der Lage“

Karl Lauterbach sieht Corona-Lockerungen wie in Nordrhein-Wesfalen skeptisch. Das Wegfallen von sämtlichen Auflagen wie in England hält der SPD-Politiker derzeit für nicht machbar.
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Karl Lauterbach sieht Corona-Lockerungen wie in Nordrhein-Wesfalen skeptisch. Das Wegfallen von sämtlichen Auflagen wie in England hält der SPD-Politiker derzeit für nicht machbar.

Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hält weitere Corona-Lockerungen für skeptisch. Der Politiker strebt weiterhin eine Herdenimmunität an.

Berlin – In der ZDF-Sendung „Maybrit Illner“ hat sich SPD-Politiker Karl Lauterbach zu möglichen Corona-Lockerungen geäußert. In der Talkrunde, in der unter anderem auch Virologe Hendrik Streeck zu Gast war, widersprach der Gesundheitsökonom der Ansicht von Bundesaußenminister und Parteikollege Heiko Maas. Dieser machte zuletzt Hoffnung, dass gewisse Einschränkungen in Deutschland schon im August 2021 fallen könnten.

„Bei dem Impftempo, das wir derzeit haben, sind wir niemals in der Lage schon Mitte August auf eine Herdenimmunität zu kommen, die eine Öffnung wie bei Boris Johnson in England ermöglicht“, sagte Lauterbach mit Blick auf den Spätsommer und Herbst.

Corona-Lockerungen in Nordrhein-Westfalen: Karl Lauterbach kritisiert Vorgehen

Zudem kritisierte er auch die neuen Lockerungen in Nordrhein-Westfalen. Ab Freitag (09.07.2021) gilt in dem Bundesland eine neue Corona-Schutzverordnung, die angesichts niedriger Infektionszahlen eine weitgehende Normalisierung vieler Lebensbereiche ermöglicht. So könnten Volksfeste stattfinden und Clubs wieder eröffnen –wenn auch nur unter bestimmten Auflagen. Darüber hinaus fallen Kontaktbeschränkungen, Masken- sowie Nachverfolgungspflichten in vielen Bereichen weg.

Diese Lockerungen würden das „falsche Signal“ geben und vermitteln, dass die Pandemie vorbei sei, so Lauterbach im ZDF. Der nordrhein-westfälische Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU), der ebenfalls bei Maybrit Illner zu Gast war, entgegnete, dass die Landesregierung nicht waghalsig sei. Auch gebe es kein Bundesland, das so streng teste, so Laumann weiter.

Gesundheitsexperte Lauterbach fordert mehr Kreativität bei Corona-Impfungen

Doch auch außerhalb der ZDF-Sendung gab es Kritik seitens der SPD. Parteivorsitzender Norbert Walter-Borjans bezeichnete die Lockerungen etwa als gezieltes Wahlkampfmanöver von CDU-Kanzlerkandidat und NRW-Ministerpräsident Armin Laschet: „Was Armin Laschet jetzt macht, ist nicht vernunftgeleitet, sondern Schönwetterpolitik mit dem Blick auf die Bundestagswahl“, erklärte der Politiker der Rheinischen Post.

Zuerst brauche es eine höhere Corona-Impfquote, was laut Walter-Borjans jedoch nur eine Frage weniger Wochen sei. „Wenn die Landesregierung jetzt Normalität vortäuscht, ist das geradezu ein Signal an die Unentschlossenen, das Impfen nicht ernst zu nehmen“, warnt der SPD-Vorsitzende. Er habe allerdings „absolutes Verständnis“ für alle, die wieder auf Sportveranstaltungen, in Clubs und auf Festivals wollen. „Was wir aber sicher nicht wollen“, so Walter-Borjans, sei eine vierte Welle.

Um einen Impfanreiz zu schaffen, schlug Karl Lauterbach bei Maybrit Illner indes unkonventionelle Maßnahmen vor: Man sollte „sehr kreativ“ sein, um die Covid-Impfstoffe an Menschen zu bringen, die der Impfung skeptisch gegenüber stünden oder sich nicht ausreichend um ihre Immunisierung kümmerten. „An die Shisha-Bars beispielsweise, in die Ausgehmeilen“, meinte Lauterbach. „Wo die jungen Leute sind, da muss es möglich sein, dass die sich impfen lassen können, mit mobilen Impfteams, ohne jeden Aufwand“, empfahl der SPD-Politiker. Auch Saarlands Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) äußerte den Gedanken, besondere Corona-Impfanreize zu schaffen. (Nail Akkoyun)

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