Corona-Mutante als Unsicherheitsfaktor

Karl Lauterbach erklärt: So rettet Deutschland den Sommer

Karl Lauterbach warnt vor voreiligen Lockerungen in der Corona-Pandemie. Die indische Mutante berge ein hohes Risiko. So könnte der Sommer gerettet werden.

  • Karl Lauterbach (SPD) warnt vor der indischen Corona-Variante B.1.617: Sie könnte sich „weltweit durchsetzen“.
  • Der Gesundheitspolitiker sieht Deutschland auf einem guten Weg zum Ende der Corona-Pandemie, warnt jedoch vor lang anhaltenden hohen Fallzahlen.
  • Lauterbach mahnt: Eine vierte Welle im Herbst könne und müsse verhindert werden.

Update vom Mittwoch, 19.05.2021, 10.45 Uhr: Karl Lauterbach, Gesundheitsexperte und SPD-Politiker, mahnt erneut zur Vorsicht im Umgang mit der indischen Corona-Variante – und konstatiert: „Wir können zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen, wie ansteckend die indische Variante tatsächlich ist“, so Lauterbach im Interview mit dem Nachrichtenportal N-tv. Es gebe zwar Daten, die darauf hinweisen würden, dass „sie ungefähr 50 Prozent ansteckender“ als andere Virusvarianten sei, jedoch keine detaillierteren Studien.

Die hohe Ansteckungsgefahr durch die Mutante berge ein erhöhtes Infektionsrisiko für ungeimpfte Menschen. Deshalb sei es wichtig noch vorsichtig mit Lockerungen in Deutschland umzugehen. Allenfalls seien diese im Außenbereich sinnvoll, so Lauterbach. „Ich glaube wir müssen in den nächsten zwei bis drei Wochen noch sehr vorsichtig sein, bei Lockerungen sehr zurückhaltend bleiben. Dann sichern wir den gesamten Sommer damit ab“, erklärte er. Innenräume zu öffnen, wäre laut Lauterbach das falsche Signal in der Pandemie: „Denn da ist die Ansteckungsgefahr ja noch immer am größten.“

Karl Lauterbach warnt vor voreiligen Lockerungen. Innengastronomien sollten geschlossen bleiben (Archivbild).

Update vom Dienstag, 18.05.2021, 12.05 Uhr: Der SPD-Politiker Karl Lauterbach geht davon aus, dass die Corona-Fallzahlen weltweit noch lange auf einem hohen Niveau sein werden. Im ARD-Talk „Hart aber fair“ am Montag (17.05.2021) sprach der Gesundheitsexperte davon, dass gerade erst der „Beginn der Pandemie“ überwunden sei. „Wenn man die Welt betrachtet, sind wir gerade mittendrin, die Fallzahlen werden lange Zeit noch hoch sein“, so Lauterbach.

Es dürfe jedoch nicht vergessen werden, dass in Deutschland neben dem hohen Impftempo auch die Zahl der Corona-Neuinfektionen zurückgehe, woraus sich Lauterbach zufolge eine glückliche Kombination ergebe. Für den Sommer sagt der Gesundheitspolitiker ein sehr überschaubares Infektionsgeschehen voraus. Die Menschen dürfen jedoch nicht unvorsichtig werden: „So viel wie möglich draußen und so wenig wie möglich drinnen“, appelliert Lauterbach.

Name:Karl Lauterbach
Geboren am: 21. Februar 1963 (58 Jahre) in Düren
Amt: SPD-Mitglied des Deutschen Bundestages seit 2005
Ausbildung: Harvard Medical School

Karl Lauterbach warnt vor indischer Corona-Mutante: Gefahr durch hohen R-Wert

+++ 17.10 Uhr: Die indische Corona-Variante B.1.617 breitet sich auch in Deutschland zunehmend aus. Laut Robert Koch-Institut (RKI) wurden mittlerweile rund 90 Fälle der Untervarianten B.1.617.1 und B.1.617.2 hierzulande nachgewiesen.

Ersten Modellierungen zufolge soll die Mutante ansteckender als das ursprüngliche Coronavirus sein. Gesundheitsexperte Karl Lauterbach (SPD) warnt vor den Folgen, sollten sich die Daten bestätigen. Dann würde sich die Variante „wahrscheinlich weltweit durchsetzen“, schreibt Lauterbach auf Twitter.

Karl Lauterbach warnt: Indische Corona-Mutante könnte ansteckender sein

Großbritannien gilt mittlerweile wieder als Corona-Risikogebiet. Grund dafür ist die indische Variante, die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als „besorgniserregend“ eingestuft wurde. „Daten von britischen Wissenschaftlern weisen darauf hin, dass die indische Variante 30 bis 50 Prozent ansteckender ist als die britische Variante B.1.1.7. Wenn wir die indische Variante jetzt bekämen, wäre das schwieriger für uns, weil wir weniger Impfdurchdringung haben als die Engländer“, erklärte Lauterbach gegenüber ZDF heute.

In Großbritannien wurden inzwischen 1313 Fälle der Untervariante B.1.617.2 nachgewiesen. Wie viel ansteckender die Virusvariante tatsächlich ist, muss noch abschließend geklärt werden. Dennoch zeigen die EU-weit zugelassenen Corona-Impfstoffe ihre Wirksamkeit auch gegenüber der indischen Corona-Variante. Der hohe R-Wert in Indien bereite allerdings Sorgen.

„Will man 5-stellige Todeszahlen im Herbst verhindern“, müsse die Impfquote bei über 50-Jährigen auf über 85 Prozent steigen. Das prognostiziert Lauterbach. „Dazu müssen Kinder geimpft werden. Und wahrscheinlich wird man auch im Herbst noch sehr viel testen müssen. Vor allem bei größeren Veranstaltungen und in Innenräumen“, schreibt der SPD-Politiker auf Twitter.

Wegen Corona-Varianten: Lauterbach hält Lockerungen für Erstgeimpfte für zu riskant

Update vom Montag, 17.05.2021, 8.30 Uhr: Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hat am Samstag (15.05.2021) Corona-Lockerungen für Menschen gefordert, die bereits eine Erstimpfung erhalten haben. Konkret bezog er sich auf Impfungen mit dem Vakzin Astrazeneca. „Wir alle wollen in den Sommerurlaub fahren. Eine Erleichterung kann ich mir sehr gut vorstellen: Wer mit Astrazeneca geimpft wird, sollte schon drei Wochen nach der ersten Dosis mehr Freiheiten bekommen“, sagte Kretschmer der Berliner Morgenpost.

In Österreich wird ein solches Modell derzeit vorbereitet. Österreichs Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein kündigte vor wenigen Tagen an, dass es spätestens 21 Tage nach der Erstimpfung möglich sein soll, Restaurants und Hotels zu besuchen. „Natürlich soll das auch ein Anreiz sein, dass man sich impfen lässt“, erklärte Mückstein.

Corona-Lockerungen für Erstgeimpfte – für Lauterbach zu „riskant“

Von dieser Regelung hält Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach (SPD) wenig. „Dies ist medizinisch nicht haltbar und auch nicht sinnvoll“, betonte Lauterbach gegenüber dem Tagesspiegel. In Daten aus Großbritannien habe sich der Astrazeneca-Schutz vor einer Infektion oder der Weitergabe des Coronavirus als relativ gering erwiesen. Lauterbach sagte weiter: „In England rückt man daher inzwischen auch wieder vom Zwölf-Wochen-Intervall ab und verabreicht die zweite Dosis nach acht Wochen.“

„Der Schutz ist schon nach der ersten Astrazeneca-Impfung sehr gut.“

Michael Kretschmer, Ministerpräsident von Sachsen, im Interview mit der Berliner Morgenpost

Ein Modell, wie in Österreich, sei zu „riskant“. „Insbesondere die Gefahr, dass sich dadurch Mutationen verbreiten, wäre groß“, sagte der SPD-Gesundheitsexperte – und verwies im Interview darauf, dass man in Großbritannien einen Zusammenhang zwischen der indischen Corona-Variante B.1617.2 und den Infektionen unter Erstgeimpften vermute.

„Große Zeit der Pandemie vorbei“: Karl Lauterbach zum Ende der Corona-Krise

Update vom Sonntag, 16.05.2021, 12.45 Uhr: Karl Lauterbach geht davon aus, dass „die große Zeit der Pandemie vorbei ist. Gott sein Dank.“ Der SPD-Gesundheitsexperte zeigte sich mit Blick auf den Sommer zuversichtlich, richtete aber auch mahnend den Blick auf den Herbst. Im Interview mit dem Nachrichtenportal T-Online.de erklärt Lauterbach, dass mit der Pandemie auch im Herbst noch eine „anhaltende Aufgabe“ auf uns zukomme. Weil es immer Nicht-Geimpfte und Noch-nicht-Genesene gebe und auch weil die ersten nach einiger Zeit ihren Impfschutz bereits wieder verlieren würden, müsse man berücksichtigen, wie gut das Virus in diesen Gruppen überleben kann.

„Je höher der Anteil derer, die nicht immunisiert sind, desto schneller und größer werden die Probleme für alle im Herbst wieder sein“, erklärt der Epidemiologe Karl Lauterbach, „Was wir [dann] in Deutschland zu erwarten haben, falls tatsächlich 20 bis 30 Prozent nicht geimpft werden sein sollten, erfüllt mich schon mit Sorge.“ Die Situation könne kompliziert werden, aber Lauterbach erwarte eine Pandemie „auf Sparflamme“ im Vergleich zur derzeitigen Lage.

Man müsse zwischen „Impfgegnern“ und „Impfzögerern“ klar unterscheiden und mit Fingerspitzengefühl vorgehen. Um eine vierte Welle im Herbst zu verhindern brauche es eine Impfkampagne mit Vertrauen und eine umfassende Teststrategie, insbesondere für Rückkehrer aus dem Sommerurlaub, so Lauterbach.

Karl Lauterbach warnt vor hohem Corona-Infektionsrisiko für Genesene

Update vom Samstag, 15.05.2021, 16.12 Uhr: SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach warnt auf Twitter vor einem hohen Corona-Infektionsrisiko für bereits Genese. Dafür zitiert der studierte Epidemiologe eine vorläufige Studie über Manaus in Brasilien.

16 bis 28 Prozent der dortigen Infektionen mit der brasilianischen Virusvariante P1 seien Reinfektionen von Genesenen. „Das zeigt, wie hoch das Risiko von Mutationen auch für Genesene ist“. Um steigenden Infektionszahlen in Deutschland mit der Virusvariante zu verhindern, schlägt Lauterbach die Einreise-Quarantäne als Gegenmittel vor.

Corona-Impfstoff Sputnik V in Deutschland bald zugelassen? Karl Lauterbach ist skeptisch

Erstmeldung vom Freitag, 14.05.2021, 16.27 Uhr: Kassel ‒ Die Impfkampagne in Deutschland schreitet voran. 35,9 Prozent der Bevölkerung haben laut des Impfquotenmonitorings des Robert Koch-Instituts (RKI) inzwischen eine Erstimpfung erhalten. 10,6 Prozent sind bereits vollständig geimpft (Stand 13.05.2021). Mittlerweile können sich auch Impfberechtigte der dritten Priorität für einen Impftermin registrieren, doch die Wartelisten sind lang - Impfberechtigte brauchen Geduld. Das liegt daran, dass der Impfstoff in Deutschland weiter knapp ist, die Lieferungen der Hersteller kommen noch sehr unregelmäßig.

Große Hoffnung liegt daher auf der Zulassung weiterer Corona-Impfstoffe, beispielsweise des russischen Vakzins Sputnik V. 30 Millionen Dosen davon hat sich Deutschland schon vertraglich gesichert. Doch die Zulassung der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) steht weiter aus. Und Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hält eine baldige Erlaubnis auch für sehr unwahrscheinlich. Grund dafür sind widersprüchliche Ergebnisse und fehlende Transparenz, schrieb er auf Twitter: „Sputnik-Ergebnisse bleiben leider widersprüchlich, Daten der Studie konnten nicht unabhängig geprüft werden.“

Experte Karl Lauterbach zum Corona-Impfstoff Sputnik V: „Zulassung unwahrscheinlich“

Russland hatte den Impfstoff Sputnik V bereits im Sommer 2020 zugelassen, obwohl bis dahin wichtige Tests noch nicht erfolgt waren. Anfang Februar veröffentlichte das medizinische Fachmagazin The Lancet erste Zwischenergebnisse einer Studie, die dem Vakzin eine hohe Wirksamkeit von rund 91,6 Prozent gegen eine symptomatische Covid-19-Erkrankung bescheinigten. Andere Wissenschaftler haben aber kritisiert, dass sie diese bisher nicht überprüfen konnten. „Schade. Auf der Grundlage bleibt eine Zulassung in Europa unwahrscheinlich“, schreibt Karl Lauterbach dazu.

Bereits seit Anfang März prüft die EU-Arzneimittelbehörde (EMA) nun den russischen Impfstoff. Ihr brasilianisches Pendant Anvisa hat dem russischen Corona-Impfstoff Sputnik V jetzt sogar die Zulassung verweigert. Die Behörde kritisiert nicht nur die fehlende Datenlage zu dem Vakzin, sondern sieht auch eine potenzielle Gefahr darin. In Laboren hätten Forscher in jeder untersuchten Sputnik-V-Probe vermehrungsfähige Viren gefunden. Es gebe keine Studien, die die Sicherheit des Impfstoffs belegen. „Das Vorsorgeprinzip hat uns dazu veranlasst, ihn nicht zu empfehlen“, erklärte Anvisa-Leiter Gustavo Mendes gegenüber CNN Brasilien.

Karl Lauterbach mit hoffnungsvoller Prognose: Corona-Zahlen „werden exponentiell absinken“

Trotzdem ist Karl Lauterbach optimistisch. Auch ohne das russische Vakzin schreitet die Impf­kampagne in Deutschland deutlich voran. „Die Leute, die wissen, dass sie bald geimpft werden oder gar schon ihren Termin haben, werden viel vorsichtiger, denn niemand will sich vor der rettenden Impfung noch anstecken“, so Lauterbach.

Der Gesundheitspolitiker ist aktuell zunehmend positiv gestimmt und erklärte bereits in einem Interview mit merkur.de, dass er ein starkes exponentielles Absinken der Corona-Fallzahlen in Deutschland erwartet, „wenn die Quote der Erstgeimpften zwischen 40 und 60 Prozent liegt.“ Noch liegt die Impfquote in Deutschland leicht darunter, ein immer schnelleres Sinken der Corona-Fallzahlen deutet sich aber bereits an. (iwe)

Rubriklistenbild: © Christian Spicker/Imago

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