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„An der Grenze zur Witzfigur“ – Lauterbach rechnet mit Gerhard Schröder ab

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Von: Nadja Austel

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Corona-Pandemie: Karl Lauterbach (SPD) hat sich zu den geplanten Hotspot-Regelungen geäußert. (Archivfoto)
Corona-Pandemie: Karl Lauterbach (SPD) hat sich zu den geplanten Hotspot-Regelungen geäußert. (Archivfoto) © Jürgen Heinrich/Imago

Gesundheitsminister Karl Lauterbach ist auf SPD-Parteigenosse und Altkanzler Gerhard Schröder nicht gut zu sprechen – er attestiert ihm Naivität und Lächerlichkeit.

Berlin – Reporter Markus Feldenkirchen begleitet Karl Lauterbach (SPD) in seiner WDR-Dokumentation durch die aufreibende Zeit seit seiner Übernahme des Ministeramtes. Beim gemeinsamen Gespräch über das Filmmaterial kommt gleich zu Beginn der Dokumentation auch der Ukraine-Krieg zur Sprache, der die Sorgen um die Corona-Pandemie zuletzt in den Hintergrund hat rücken lassen. Nach der Rolle von Gerhard Schröder in der Vermittlung mit Wladimir Putin gefragt, findet der Gesundheitsminister klare Worte über den Auftritt des Altkanzlers.

„Ich habe für jemanden wie Putin und eine Quasi-Diktatur, die sich da abspielt, nie etwas übrig gehabt“, stellt Karl Lauterbach zunächst klar. Russland-Empathie habe er insofern nie gehabt. „Die Menschen in Russland kann ich schlecht beurteilen, das steht mir auch nicht an“, betont er noch, „aber das politische System – ich war da nie nah.“

Ob er denn, als Gerhard Schröder vor Kurzem nach Moskau reiste, um einen Vermittlungsversuch mit Putin zu unternehmen, Hoffnungen gehabt habe, dass er etwas bewirken könnte? „Überhaupt nicht. Wenn jemand wie Putin einen Krieg macht, da wird er nicht sagen ‚Also, Gerd, wenn du das jetzt sagst, ich denk noch mal drüber nach. Vielleicht mach ich jetzt hier mal langsam.‘ Das wird nicht stattfinden.“ Den Versuch überhaupt zu wagen, beurteilt Lauterbach als äußerst naiv: „Mir hat Gerhard Schröder offen gesagt leid getan. Weil er hier eine Naivität an den Tag an den Tag gelegt hat, also – der ganze Auftritt grenzte ans Peinliche, Fremdschämen ist ein Begriff, der einem da in den Kopf kommt.“

Gerhard Schröder – Nicht nur Karl Lauterbach ist mit seiner Russland-Politik unzufrieden

Immer mehr SPD-Politiker forderten von ihren Partei-Vorsitzenden ein klares Machtwort; der Druck auf Schröder, sich von Putin zu distanzieren, wuchs. „Gerhard Schröders Gesinnungslosigkeit zugunsten des eigenen Egos, seine Verantwortungslosigkeit gegenüber den Opfern in der Ukraine und gegenüber der eigenen Partei, das ist einfach nur unerträglich“, erklärte SPD-Politikerin Gesine Schwan gegenüber dem Spiegel. Die Sozialdemokraten müssten sich zu einem klaren Schnitt zu Schröder durchringen: „Ich hoffe, dass es Lars Klingbeil gelingt, die SPD davor zu schützen, immer wieder mit Schröder in Verbindung gebracht zu werden“, fügt sie hinzu.

Altkanzler Gerhard Schröder gilt als Freund des russischen Präsidenten Wladimir Putin, als dessen Interessensvertreter er schon mehrfach auftrat. Zu seiner Amtszeit bezeichnete er seinen russischen Freund einst als „lupenreinen Demokraten“. Er hat Führungsrollen bei den Pipeline-Projekten Nord Stream und Nord Stream 2 und ist etwa Vorsitzender des Gesellschafterausschusses der Nord Stream AG und Chef des Aufsichtsrats beim staatlichen russischen Energiekonzern Rosneft. Außerdem wurde Schröder kürzlich als Kandidat für den Gazprom-Aufsichtsrat nominiert.

Karl Lauterbach: Schröder macht es „mit allem, was er jetzt tut, nur schlimmer“

Über das Treffen zwischen Putin und Schröder gab es von beiden Seiten im Nachgang keinen öffentlichen Kommentar. Dafür nun das Bedauern des Parteigenossen Lauterbach. „Ich habe ihn mal sehr geschätzt, aber das ist schon lange her“, so der Minister in der WDR-Dokumentation. Der Altkanzler habe so viel aus dem, was er erreicht habe, machen können. „Aber er hat quasi alles verloren. Es ist ihm gelungen, als Altkanzler jetzt an der Grenze zur Witzfigur unterwegs zu sein. Von seinem früheren Prestige ist leider gar nichts übrig geblieben. Und er macht es mit allem, was er jetzt tut, nur schlimmer.“

Das Bedauern Lauterbachs ist greifbar: „Es ist wirklich traurig. (…) Man wird ihn nicht als Kanzler in Erinnerung haben, sondern als jemand, der zum Schluss dann doch an der Grenze zum Lächerlichen unterwegs war.“ (na)

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