Fördertöpfe werden zusammengelegt

Filmfestivals wie Kasseler Dokfest fürchten um Förderung

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Gefördert: „Der Staat gegen Fritz Bauer“, eine der packendsten deutschen Kinoproduktionen des Jahres mit einem oscarreifen Burghart Klaußner in der Hauptrolle (unser Szenenbild).

Frankfurt/Main. Filmförderung wird in Hessen ab Januar kommenden Jahres neu strukturiert. Filmemacher kritisieren: Kunstministerium gibt bisher zu wenig Details preis.

Hessische Filmemacher schauen gespannt auf das kommende Jahr. 2016 wird die Filmförderung im Land neu geordnet. Dann übernimmt die Film und Medien GmbH die Regie für die Förderung in Hessen - und niemand weiß bisher so recht, wie sich das auf die Filmwirtschaft auswirken wird.

Bisher gibt es zwei Fördertöpfe: Eine wirtschaftliche Filmförderung vergibt Darlehen, eine kulturelle Filmförderung unterstützt künstlerisch wertvolle Projekte. Nun wird beides unter einem Dach vereint. Der neue Geschäftsführer, Hans Joachim Mendig, Produzent von Serien wie „Ein Fall für zwei“ (ZDF) und studierter Betriebswirt, gibt erst im nächsten Jahr Interviews. Auch das Kunstministerium in Wiesbaden ist zurückhaltend - verweist auf Anfrage unserer Zeitung auf eine Pressemitteilung vom September.

Die Organisatoren von Filmfestivals sind deshalb besorgt: In einer Mitteilung befürchtet der Festivalverbund, dem 16 Filmfestivals angehören, eine „existenzielle Gefährdung“ ihrer Festivals und „einen herben Rückschlag für die hessische Filmkultur“ im Allgemeinen. Unterzeichnet ist die Mitteilung auch von den Organisatoren des „Kasseler Dokfestes“ und vom „Open Eyes“ in Marburg“.

Grundsätzlich sei eine zeitgemäße Organisation wie in einer Film und Medien GmbH keine schlechte Idee, sagt Gerhard Wissner, der das Kasseler Dokumentarfilm- und Videofest - kurz Dokfest - in Kassel leitet. Allerdings wisse man bisher noch nicht, wie sich zukünftig die Förderung finanziell entwickeln werde.

Seit 2002 sei die Förderung nicht gestiegen, 2014 gab es laut Festivalverbund 230 000 Euro für 550 Veranstaltungen mit 75 000 Besuchern. Nach der Reform fließe - so die Befürchtung des Verbundes - mehr Geld in die Verwaltung und Richtung Fernsehen. Der Verbund fordert eine verbindliche Zusage für eine gleichbleibende Förderung im kommenden Jahr.

Die Festivals würden von der GmbH in der gleichen Größenordnung gefördert wie bisher, sagt ein Sprecher des Kunstministeriums. Das sei ein Sturm im Wasserglas.

Erwin Heberling, Geschäftsführer des Film- und Kinobüros Hessen, vermisst generell „eine politische Strategie, wie der Standort und die Förderung in den kommenden Jahren verbessert werden können“. Eine Förderung, die hauptsächlich auf der Vergabe von Bankdarlehen beruht, nutze heimischen Produzenten und Filmemachern nur wenig. „Das Problem ist, dass wir nicht wirklich wissen, was passiert“, sagt Hannes Karnick von der Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm. Die GmbH habe ihre Arbeit aufgenommen aber es gebe „wenig Transparenz: Es wäre sinnvoll, den Dialog mit der Branche weiterführen.“

Von Max Holscher und Sandra Trauner

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