Fragen und Antworten

K+S-Übernahme: Warten auf Kanada

Untertägiger Salzabbau: Unser Foto zeigt die Arbeit im Werk Bernburg (Sachsen-Anhalt). Dort gewinnt K+S Industrie-, Auftau- und Speisesalz. Branchenkenner glauben, das Potash die Salzsparte nach einer Übernahme verkaufen würde, um den Erwerb der Kasseler zu finanzieren. Foto: K+S/nh

Kassel. Der kanadische Düngemittelkonzern Potash will für fast zehn Milliarden Euro den Kasseler Konkurrenten K+S übernehmen. Der wehrt sich heftig. Ein Überblick:

Auch Gewerkschaften, Betriebsräte und die betroffenen Länder Hessen, Niedersachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt lehnen die Pläne ab.

Wie ist der aktuelle Stand der Dinge? 

Das K+S-Management hat das vor vier Wochen unterbreitete Angebot wiederholt abgelehnt. Begründung: Zum einen spiegele es nicht den wahren Wert des Unternehmens wider, zum anderen würden die Interessen der Standorte und Beschäftigten nicht genügend berücksichtigt.

Was bedeutet die Ablehnung genau? 

Einerseits es natürlich um Geld. K+S-Vorstand und Aufsichtsrat pokern im Interesse der Aktionäre um einen höheren Preis. Potash bietet bislang 41 Euro. K+S ist überzeugt, dass das Unternehmen mehr wert ist. Die Analysten-Meinungen gehen in dieser Frage weit auseinander. Außerdem fordert K+S gerichtsfeste Vereinbarungen hinsichtlich Standort- und Beschäftigungssicherung. Nach Angaben der Kasseler sind die bislang zu allgemein gehalten.

Und wie geht es weiter im Übernahme-Poker? 

Der Ball liegt nach K+S-Ansicht in Kanada. Potash müsse sein Angebot nachbessern und konkretisieren. Potash könnte aber auch eine feindliche Übernahme wagen. Deren Gelingen ist wahrscheinlich, weil sich sämtliche K+S-Aktien im Streubesitz befinden und sich - wenn der Preis stimmt - einfach kaufen ließen.

Heißt das, die Kanadier verfolgen ihre Übernahmepläne weiter? 

Das ist noch nicht sicher. Ein Teil der Marktbeobachter und Branchenkenner glaubt, dass Potash angesichts des unerwartet großen politischen Widerstands von einer Übernahme absieht. Der andere Teil sagt, dass die Kanadier nicht locker lassen.

Warum ist die Politik nahezu geschlossen gegen eine Übernahme? 

Sie befürchtet - wie K+S - Standortschließungen und Personalabbau. Speziell in Hessen sorgt am sich zudem um die Umwelt. Ein noch nicht unterzeichneter Vier-Phasen-Plan zur massiven Reduzierung der Salzabwassermengen, die bislang in der Werra oder im Untergrund landen, geriete nach Ansicht vieler Politiker in Gefahr. Sie glauben nicht, dass Potash bereit wäre, dafür 400 Millionen Euro oder mehr in die Hand zu nehmen.

Ist denn ausgemacht, dass Potash Gruben schließen und Stellen streichen würde? 

Nein. Das Problem ist nur, dass die Kanadier ihre Strategie für sich behalten. Kritiker glauben aber, dass deren Interesse lediglich dem in Bau befindlichen Kali-Bergwerk der Kasseler in Kanada vor Potashs Haustür gilt. Die vergleichsweise teuren deutschen Standorte würden nach der Argumentation der Übernahmegegner nach und nach geschlossen, allein schon, um globale Überkapazitäten abzubauen und somit den Kalipreis hochzuhalten.

Und was sagt der Potash-Konzern dazu? 

Die Kanadier, die praktisch kein Europa-Geschäft haben, versichern, dass sie die Alte Welt von Deutschland aus bedienen wollen, auch weil dann keine Übersee-Frachtkosten anfielen. Grubenschließungen und Stellenabbau seien nicht vorgesehen. Und sie verweisen auf die magnesium- und schwefelhaltigen, hochpreisigen Spezialitäten, wie sie aus geologischen Gründen nur im hessisch-thüringischen Kalirevier vorkommen. Außerdem verspricht Potash, die Salzsparte nicht zu verkaufen.

Kann die Politik die Übernahme verhindern? 

Nein. Aber sie könnte Potash später das Leben schwer machen. Denn im Bergbau gelten sehr strenge Auflagen. Man braucht für fast alles eine Genehmigung, und die erteilen die Länder.

Von José Pinto

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