Ultraleichte Fluggeräte

Bald kommt die Päckchen-Drohne

Kassel. Internet-Händler Amazon denkt darüber nach, Bestellungen mit Flugrobotern auszuliefern (siehe unten). Hört sich wie Zukunftsmusik an, ist es aber nicht. Schon heute werden Multikopter in vielen Bereichen eingesetzt. Die Kasseler Aibotix GmbH gehört zu den erfolgreichsten Anbietern.

Video: So fliegt die Aibotix-Drohne

Die Amazon-Pläne sind längst mehr als eine Vision – zumal die dafür notwendige Technik längst existiert und sich bereits tausendfach bewährt hat. Die von sechs Minipropellern angetriebenen, bis zu fünf Kilogramm schweren, ferngesteuerten Drohnen aus dem Hause der Kasseler Aibotix GmbH vermessen Tagebaugruben, inspizieren Staumauern, Solarparks, Pipelines, Bahntrassen, Hochspannungsmasten und Windräder, überwachen Großbrände sowie Umwelt- und Naturkatastrophen aus der Luft und übermitteln Bilder in Echtzeit an die Bodenstation.

Dabei erkennen sie Hindernisse und umfliegen sie und suchen allein einen sicheren Landeplatz, bevor der Akku leer ist. Besonders spektakulär: Am Südpol zählen Kopter aus Nordhessen im Rahmen eines Forschungsprojekts Pinguine. Warum also sollten die ultraleichten, intelligenten Alleskönner nicht auch als Postboten eingesetzt werden? Für Aibotix-Chef Jörg Lamprecht sind derartige Nutzungsmöglichkeiten keineswegs Zukunftsmusik.

„Das wird kommen“, ist der erfolgreiche Unternehmer sicher. An eine Lieferung der Ware direkt an die Haustür oder in den Vorgarten des Endkunden – wie von Amazon geplant – glaubt er allerdings weniger. Einsatzmöglichkeiten sieht Lamprecht vielmehr bei der raschen Belieferung von Verteilstationen, an denen ein Kurier die Ware holt und schnell zum Kunden fährt.

Ein weiteres Geschäftsfeld wird nach Lamprechts Überzeugung die Expresszustellung etwa von Medikamenten und wichtiger Geschäftspost insbesondere in Ballungsräumen sein. In Hongkong etwa ist ein Kurierfahrer den halben Tag unterwegs, um einen Vertragsentwurf von A nach B zu befördern. Auf mittlere Sicht, komme an der Drohnentechnik niemand vorbei. Ein weiteres Einsatzgebiet ist die Versorgung von unzugänglichen Siedlungen mit eiliger Arznei oder wichtigen Bauteilen. Aibotix wird im kommenden Jahr mit einem Logistik-Dienstleister ein entsprechendes Pilotprojekt starten.

„Das wird eine spannende Sache“, sagt der erfolgreiche Kasseler Unternehmer. Die Flugkünstler aus Kassel, die mittels Konsolen, Tablets, oder Smartphones gesteuert werden, haben kaum Ähnlichkeit mit echten Hubschraubern. Sie erinnern vielmehr an fliegende Untertassen. Die Multikopter können bis zu vier Kilo Fracht aufnehmen, 13 Minuten am Stück und fünf Kilometer weit fliegen und in einer Sekunde acht Meter hoch steigen. Aibotix verkauft seine Produkte in alle Welt.

Kunden sind vielfach große Energiekonzerne. Noch einen Schritt weiter gehen Pläne, Drohnen zur Überwindung weiter Distanzen so auszustatten, dass sie an speziellen Ladestationen selbstständig den Akku wechseln, um dann frisch gestärkt ihren Flug fortsetzen zu können. Das allerdings ist in der Tat noch Zukunftsmusik.

Von José Pinto

Amazon plant Flugroboter

Per Drohne soll die Bestellung in 30 Minuten ankommen – Rechtlich gibt es Hürden

New York / Berlin. Der Online-Händler Amazon will in einigen Jahren Bestellungen mit Mini-Drohnen zustellen. Der Konzern arbeite an eigenen Fluggeräten, enthüllte Gründer Jeff Bezos in der US-Interview-Sendung „60 Minutes“. Die Idee sei, dass die „Octocopter“ bestellte Ware binnen 30 Minuten zum Käufer bringen.

Noch seien Tests und Zulassungen der Luftfahrt-Behörde FAA nötig. Er rechne damit, die Pläne in vier bis fünf Jahren realisieren zu können, sagte Bezos. Die Dienstleistung, die „Prime Air“ heißen soll, dürfte kleinen und besonders eiligen Bestellungen auf kurze Entfernung vorbehalten bleiben. Die achtmotorigen Drohnen könnten Waren mit einem Gewicht von bis zu 2,5 Kilo transportieren und pro Lieferung etwa 16 Kilometer zurücklegen.

Die Adressaten sollen sie anhand der Koordinaten finden, die bei der Bestellung angegeben wurden. Der Konzern demonstriert den Plan in einem Video, in dem eines der Fluggeräte eine Bestellung direkt vom Band eines Logistikzentrums abholt und vor einem Haus landet. Die Luftfahrt-Behörde FAA arbeitet allerdings noch an Regeln für den möglichen Einsatz unbemannter Drohnen im US-Luftraum. 2015 könnte es erste Zulassungen geben. In Deutschland ist die rechtliche Situation noch komplizierter. Hier brauchen unbemannte gewerblich genutzte Flugobjekte ab einem Gesamtgewicht über fünf Kilo Aufstiegsgenehmigungen, die nur pro Bundesland erteilt werden.

Sie müssen in Sichtweite des Steuerers fliegen. Automatisierte Drohnen, wie Bezos sie im Sinn hat, werden bislang nicht genehmigt. Auch ist es in Deutschland verboten, Menschenansammlungen zu überfliegen. Im Internet stieß die Amazon-Ankündigung auf große Zweifel. Skeptiker fragten sich zum Beispiel, wie eine solche Luftzustellung in dicht besiedelten Gegenden funktionieren würde. (dpa)

Rubriklistenbild: © dpa

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