Wenige Blocks vom Anschlag entfernt

Kasselerin in Boston: „Ein grauenhaftes Erlebnis“

+
„Es live mitzuerleben, ändert wirklich vieles“: Theresa Croll (20) aus Kassel-Wehlheiden ist derzeit als Au-pair-Mädchen in Boston.

Boston. Die Kasselerin Theresa Croll ist derzeit als Au-pair-Mädchen in Boston. Als am Montagabend die Bomben an der Strecke des Boston Marathon explodierten, befand sich Theresa nur ein paar Hundert Meter vom Anschlagsort entfernt.

Per Facebook nahm die 20-Jährige Kontakt mit unserer Zeitung auf. Sie schildert ihre Eindrücke:

Ich war auf dem Weg zum Boston Common Park, als es passierte. Zuerst hatten meine Gastmutter, die Kinder und ich uns unweit vom Ziel den Marathon angesehen und noch eine Bekannte angefeuert. Wenig später entschieden wir uns, in Richtung Park zu gehen, und liefen die Commonwealth Avenue entlang.

An der Ecke Fairfield Street stoppten wir und unterhielten uns mit Bekannten, als plötzlich der lauteste Donner ertönte, den ich in meinem Leben gehört habe. Zuerst dachte ich, eine der Tribünen sei möglicherweise eingestürzt, aber dann kam auch schon der zweite Knall. Man konnte fühlen, wie der Boden vibrierte, und sehen, wie Rauchschwaden hinter den Gebäude aufstiegen.

Lesen Sie auch:

Boston: Martin (8) starb an der Zielgeraden Boston-Anschlag: Suche nach "Man in black"?

Sekunden später kamen uns Hunderte Menschen weinend und kreischend entgegen gerannt, viele schrien: „Rennt! Rennt!“ Und vor lauter Schock war das auch das einzige, was wir in diesem Moment machen konnten. Einen kurzen Moment später schrien schon die ersten Menschen, dass eine Bombe an der Ziellinie hoch gegangen war. Unser erster Gedanke ging natürlich an unsere Bekannte, die – wie sich wenig später herausstellte – zwei Minuten früher ins Ziel gekommen war.

Zum Zeitpunkt der Explosion waren wir gute drei Blocks entfernt. Es war wirklich ein grauenhaftes Erlebnis.

Wir wohnen nicht weit weg vom Unglücksort, ich schätze insgesamt fünf Blocks. Das Ende unserer Straße hier ist auch heute (Dienstag) noch gesperrt. Am Montag wurde uns geraten, das Haus nicht mehr zu betreten, weil noch andere Sprengsätze gefunden wurden, die nicht hochgegangen sind. Heute (Dienstag) verlassen wir freiwillig für einen Tag die Stadt, um ein wenig zur Ruhe zu kommen. Komplette Sicherheit konnte schließlich immer noch nicht gewährleistet werden.

Man sieht so etwas immer im Fernsehen oder im Internet, aber es live mitzuerleben, ändert wirklich vieles. Boston wird nicht mehr so sein wie vorher. Allen unseren Freunden und Bekannten hier geht es glücklicherweise gut!

Von Theresa Croll

Zur Person

Theresa Croll ist 20 Jahre alt und stammt aus Kassel-Wehlheiden. Sie ist noch bis August dieses Jahres Au-pair-Mädchen bei einer Familie in Boston. Im vergangenen Jahr hat sie an der Herder-Schule in Kassel Abitur gemacht. Zu ihren Zukunftsplänen sagt Theresa: „Ich weiß noch nicht, was ich mache wenn ich wieder komme!“ (coe)

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.