21. Dezember soll Ende einer Ära sein

Maya-Kalender macht Weltuntergang zu Kassenschlager

Kassel. Am 21. Dezember ist es so weit: Eine etwa 1300 Jahre alte Steintafel des Maya-Kalenders sagt für diesen Tag das Ende einer Ära voraus – und manch einer befürchtet den Weltuntergang. Wissenschaftler werten die Apokalypse-Stimmung schlicht als Unsinn, Geschäftsleute schlagen daraus Kapital.

Wohl in der festen Überzeugung, ihren Gewinn auch 2013 noch genießen zu können. Der Weltuntergang hat Konjunktur. Beim Online-Verkaufsportal Zazzle, bei dem Kunden und Anbieter verschiedenste Produkte individuell gestalten können, gibt es rund 1400 Maya- und Weltuntergangsmotive, die sich witzig oder ernsthaft mit dem Thema beschäftigen. Vor allem T-Shirts und Kaffeetassen liegen im Trend.

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Eine russische Firma bietet sogar eine Weltuntergangskiste an. Inhalt: Werkzeug, Kerzen, Konserven und ein Viertelliter Wodka. „Apocalypse Cash Cow“, spöttelte die New Yorker Zeitung „Daily News“ über den nicht versiegenden Strom von Büchern und Publikationen. So finden sich etwa beim Online-Versandhändler Amazon über 700 Bücher mit den Schlagworten Maya und 2012 im Titel. Roland Emmerichs 2009 in die Kinos gekommenes Weltuntergangs-Drama „2012“ gehörte mehr als 300 Tage zu den 100 meistverkauften DVDs. Umsatzzahlen für die Endzeitprodukte nennt Amazon nicht.

Ängstliche Zeitgenossen können in einem unterirdischen Bunker in den US-Bundesstaaten Nebraska und Nevada in Deckung gehen. Ein Platz in der Endzeit-WG ist beim Vermieter Vivos ab 35 000 Dollar (27 000 Euro) zu haben. Billiger gibt es den Schutz des Maya-Amuletts für 65 Euro.

Nicht zuletzt rührt Mexiko die Werbetrommel für die Maya-Kultur. An deren Stätten erwartet das mittelamerikanische Land über 50 Millionen Besucher, doppelt so viele wie in einem normalen Jahr. Tourismus ist ein wichtiger Devisenbringer: 2011 gaben allein 23,4 Millionen ausländische Gäste in Mexiko zehn Milliarden Dollar (7,7 Mrd. Euro) aus.

Weltuntergang? In diesem Luxusbunker könnten Sie überleben

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Dabei hatten die Maya wohl mit der Apokalypse nichts im Sinn. Die Inschrift auf der in Tortugero am Golf von Mexiko entdeckten Steintafel beschreibe vielmehr die Rückkehr des Maya-Gottes Bolon Yokte an einem Datum, das dem 21. Dezember 2012 entspricht, erklärt der deutsche Wissenschaftler Sven Gronemeyer, der an der La Trobe University in Melbourne (Australien) forscht. An diesem Tag ende der Langzeitkalender der Maya, der 5125 Jahre umfasst, ein neuer Zyklus beginnt.

Endzeiterwartungen seien einem konjunkturellen Zyklus unterworfen, sagt der Historiker und Experte für neue religiöse Bewegungen, Christian Ruch aus Chur (Schweiz). Das Ende werde immer dann herbeigesehnt, wenn die Zeit und die Umwelt als belastend oder unerträglich empfunden würden.

2012 - das skurrile Geschäft mit dem Weltuntergang

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Das amerikanische Nasa-Institut für Astrobiologie wurde inzwischen mit mehr als 5000 Fragen zum Weltuntergang 2012 und zum mysteriösen Planeten Nibiru überschwemmt, der sich Unheil bringend der Erde nähern soll. Das Institut dazu: „Nibiru und andere Geschichten über unberechenbare Planeten sind Internet-Enten.“

Von Barbara Will

Immer wieder vorhergesagt: Das Ende der Welt

Das Christentum kennt mehrere Weltuntergangs-Szenarien. Das bekannteste ist die Offenbarung des Johannes. Er beschreibt, wie die Welt von Katastrophen und Plagen heimgesucht wird. Satans Geschöpfe erscheinen. Sie werden schließlich vom himmlischen Heer besiegt. Danach, so Johannes, herrschen Christus und seine Getreuen 1000 Jahre lang. Anschließend wird der wieder freigelassene Satan in einer letzten Schlacht geschlagen. Es folgt das Gericht über die Toten. Johannes beschreibt dann einen neuen Himmel und eine neue Erde: Das neue Jerusalem, in dem Gott herrscht, kommt vom Himmel herab.

Die nordische Mythologie spricht von „Ragnarök“, dem „Schicksal der Götter“. Nach drei Jahren Kampf und drei Jahren Eiszeit beginnen die zerstörerischen Kräfte der Welt überhandzunehmen. Sonne und Mond werden von gewaltigen Wölfen verschlungen; Ungeheuer verwüsten die Erde. Zwischen ihnen und den Göttern kommt es zur Schlacht.

Schließlich wird die Welt in einem Brand völlig zerstört. Dadurch wird alles wieder ins Gleichgewicht gebracht. Der höchste germanische Gott Odin erschafft die Welt neu, die verbliebenen Götter treffen sich auf den Resten ihrer Burg Asgard.

Die Azteken glaubten, dass vor dieser Welt bereits vier andere existiert hätten. Sie wurden durch Katastrophen zerstört, die jedes Mal die Menschheit auslöschten. Die heutige Menschheit wurde vom Gott Quetzalcóatl, der gefiederten Schlange, erschaffen.

Doch diese Erde ist nach dem Glauben der mittelamerikanischen Azteken die letzte, sie werde in einem gewaltigen Beben enden. Der Weltuntergang könne nur dadurch abgewendet werden, dass 13 mysteriöse Schädel aus Bergkristall vereint werden. Ähnlich wie die Maya hatten auch die Azteken ein großes Wissen über Astronomie.

Nostradamus (1503-1566), ein französischer Arzt und Astrologe des Mittelalters, veröffentlichte in jährlichen Almanachen seine Prophezeiungen, die bis ins Jahr 2242 reichen sollen. Er schrieb sie in Gedichtform.

Dabei sagte er unter anderem eine kosmische Erschütterung und eine Klimakatastrophe voraus. Daraus werde die Welt erneuert hervorgehen. Nostradamus drückte sich sehr metaphorisch aus und verzichtete auf genaue Zeitangaben, was eine Vielzahl von Deutungen zulässt. Er bezeichnete sich selbst übrigens nicht als Astrologen. Wenn er ein Horoskop erstellte, war es in der Regel falsch.

Der Halleysche Komet musste ebenfalls für ein Weltuntergangs-Szenario herhalten. 1910 sagten Wissenschaftler das Ende der Welt voraus, weil sich der Komet der Erde näherte. Allerdings flog er vorbei. Vier Jahre später brach der Erste Weltkrieg aus.

Im 20. Jahrhundert erhöhte sich die Taktzahl der Warnungen. Für das Jahr 1981 gab es sogar gleich drei. Auch 1999 war ein gutes Datum für Endzeitler. Und im Jahr 2000 schien den Einwohnern Perus ein dreibeiniges Küken ein Beleg dafür, dass nun endgültig Schluss mit dem Globus sei. Weitere Weltuntergänge sind für 2060 und 2076 vorausgesagt. (wll)

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